Finanzkrise : US-Handelskammer empfiehlt Standort Deutschland

Die Finanzkrise hat auch ihr Gutes für Deutschland - das behauptet jedenfalls die US-Handelskammer. Vor allem der sichere Zugang zu Krediten sei in diesen Zeiten ein Argument für US-Unternehmen, sich hierzulande anzusiedeln. Allerdings sehen die Experten auch noch Reformbedarf.

Frankfurt/MainViele US-Firmen entdecken in der Finanzkrise nach Einschätzung der amerikanischen Handelskammer den Standort Deutschland neu. Das Bankensystem in Deutschland sei stark und gesund und es gebe keine Probleme beim Zugang zu Krediten für Investitionen, sagte der Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (Am-Cham Germany), Lutz Raettig, am Dienstag in Frankfurt. "Deutschlands Wirtschaftskraft wird nicht fundamental leiden und das Land bleibt ein guter Ausgangspunkt für den Zugang zu den osteuropäischen Märkten", sagte Raettig, der zugleich Deutschlandchef des US-Finanzkonzerns Morgan Stanley ist.

Die deutschen Töchter von US-Banken leiden nach Angaben der Am-Cham bislang nicht unter Kapitalbeschränkungen. Zudem wollen einige Industriekonzerne und Zulieferer aus den USA laut Umfrage ihre Präsenz in Deutschland ausbauen, da viele Branchen wie der deutsche Maschinenbau Weltmarktführer sind. "Die US-Firmen haben Deutschland über die China-Euphorie einige Jahren vernachlässigt und entdecken den Industriemarkt nun wieder", sagte Am-Cham-Geschäftsführer Dierk Müller.

Auto- und Ölkonzerne engagieren sich am stärksten

Die Unternehmen aus den USA haben ihre Umsätze in Deutschland 2007 im Schnitt um fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Die Firmen steckten nach Angaben der Kammer insgesamt rund 120 Milliarden Euro in ihr hiesiges Geschäft - etwa soviel wie im Vorjahr. Finanzinvestoren sind in dieser Summe nicht berücksichtigt.

Die größten US-Konzerne im Land waren 2007 gemessen am Umsatz der Autokonzern Ford mit 19,6 Milliarden Euro gefolgt vom Konkurrenten General Motors (GM) mit seiner deutschen Tochter Opel (16,3 Milliarden Euro) und dem Ölkonzern Exxon Mobil (Esso) mit 14,2 Milliarden Euro.

Derzeit gibt es laut Am-Cham gut 2000 US-Unternehmen in Deutschland mit insgesamt 800.000 Beschäftigten. Ein Hindernis für Neuansiedlungen seien jedoch die bürokratischen Hürden in Deutschland. Die Kammer fordert eine weitere Reform des Arbeitsmarktes. Beschäftigungsbarrieren müssten abgebaut werden. (sf/dpa)

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