Finanzkrise : Weltwirtschaft erholt sich schneller als erwartet

Die globale Konjunktur wird nach Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds schneller einen Aufschwung erleben als bislang angenommen. Die US-Börse kam aufgrund der positiven Prognosen wieder in Schwung

Der Internationale Währungsfonds (IWF) werde seine globale Wachstumsprognose für das kommende Jahr in den nächsten Wochen voraussichtlich nach oben korrigieren, sagte IWF-Vizedirektor John Lipsky im türkischen Bodrum. Bislang erwartet der IWF für 2010 ein weltweites Wachstum von 1,9 Prozent.

"Die Bedingungen auf den Finanzmärkten haben sich verbessert, das Vertrauen erholt sich schrittweise und die Indikatoren für künftige Produktion und Nachfrage haben sich gefestigt", sagte Lipsky. Aus dem Grunde werde der IWF seine Einschätzung anheben. Allerdings blieben der Zeitrahmen und das Tempo der Erholung noch ungewiss, mahnte der IWF-Vizechef zur Vorsicht. Nach historischen Maßstäben werde die wirtschaftliche Erholung nur schleppend verlaufen.

Die Konjunktur werde im Laufe des nächsten Jahres nur schrittweise wieder in Gang kommen. Schuld daran seien weiterhin Schuldenabbau, geringes Kreditwachstum, schwache Haushaltseinkommen und schrumpfende Privatvermögen. Die Arbeitslosigkeit steige zunächst weiter, und auch sei die Lage an den Finanzmärkten trotz jüngster Verbesserungen noch weit von der Normalität entfernt. Für dieses Jahr prognostiziert der Fonds ein Schrumpfen der Weltwirtschaft um 1,3 Prozent. Das ist die mit weitem Abstand schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

Lipsky rief im Kampf gegen die Krise und angesichts angehäufter Staatsschulden dazu auf, Haushaltsdefizite wieder zu verringern. 2010 dürften große Etatlöcher weiter nicht zu vermeiden sein, sagte er. "Danach sollte stärker selbsttragendes Wirtschaftswachstum die Basis liefern für ein bedachtes Zurückfahren von Konjunkturprogrammen", sagte der IWF-Vize.

Auch die Hoffnung auf einen baldigen Wirtschaftsaufschwung hat den US-Börsen zum Wochenausklang bereits zu Gewinnen verholfen. Die Anleger schöpften nicht zuletzt aus den Äußerungen des IWF Mut, dass es mit der Wirtschaft nun bald wieder aufwärts gehen muss. "Die Stimmung verbessert sich und viele Leute wetten darauf, dass die Rezession vorbei ist", sagte Anthony Conroy, Chef-Händler bei BNY ConvergEx. Für gute Stimmung sorgte zunächst der Software-Riese Microsoft, der nach einer positiven Goldman-Sachs Einschätzung zulegte.

Besonders gefragt waren die Papiere des iPhone-Herstellers Apple, die an der Nasdaq 1,7 Prozent auf 138,14 Dollar zulegten. Am Freitag hatte der Konzern sein neuestes Kult-Handy in die Läden gebracht, und der Telefonkonzern berichtete zudem von Hunderttausenden Vorbestellungen für iPhones.

Zur Vorsicht bei all dem aufkeimenden Optimismus riet auch der Chef-Marktstratege bei RDM Financial, Michael Shelden: Im allgemeinen deuteten die Konjunkturzahlen der vergangenen Monate zwar auf eine Erholung hin. "Aber wir haben noch keine Wirtschaftsdaten gesehen, die zeigen, dass sich ein Wachstum durchsetzt."
 

ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, aku

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