Finanzkrise : Wie die Washington Mutual die Welt verklärt

So wie andere US-Banken auch machte die "Wamu" ihren Kunden finanzielle Heilsversprechen – ein Grund für ihre Pleite.

Berlin - Am Schalter der Washington Mutual konnten die Kunden von süßen Hundebabies träumen. Zumindest zeigte das ein Werbespot der Bank, die jetzt unter den Lasten der Finanzkrise zusammengebrochen ist: Mit einem lässigen „Hi Scott!“ wird ein moppeliger Durchschnittstyp von der hübschen Bankangestellten am Schalter begrüßt. Doch Scott ist bedrückt, sein Konto ist überzogen. Kein Problem bei der Washington Mutual. „Machen Sie sich keine Sorgen“, sagt die Bankangestellte. Extragebühren fielen wegen der Überziehung nicht an. „Keine Sorgen?“, fragt Scott – und beginnt seinen wundersamen Tagtraum direkt am Bankschalter: Eine Horde süßer Welpen stürzt sich auf ihn. Und alles ist auf einmal wieder gut.

„Wir sind eine Firma, die Banking möglichst einfach macht und dabei immer ein Lächeln aufsetzt“, sagt die Marketing-Direktorin der Washington-Mutual, Genevieve Smith. Mit der Kampagne wolle man eine sehr „optimistische Herangehensweise“ vermitteln.

Die jetzige Pleite zeigt, dass die Bank wohl ein bisschen zu optimistisch war. Und genauso fern der Realität wie die Kunden in den anderen Spots: Ein Langweiler träumt sich am Bankschalter in einen Cabrio. Auf seiner Glatze sprießt eine meterlange Haartracht, in dem sich das Licht der untergehenden Sonne spiegelt. In einem anderen Spot wird eine ältere Frau zur Disko-Queen.

Die Werbung der „Wamu“ gibt einen Hinweis auf die Ursachen der amerikanischen Bankenkrise: Die Institute guckten ihren Kreditnehmern nicht genau genug auf die Finger. Sie machten ihnen finanzielle Heilsversprechen, ohne sie wirklich über die Risiken aufzuklären. Jetzt müssen die Institute für die von ihnen beschworene Kuschelatmosphäre büßen.

Geradezu irrwitzig wirkt nach der Pleite auch folgender Spot: Ein paar ältere, konservativ wirkende Wamu-Banker wollen sich vom Hochhaus stürzen, weil sie die laxen Konditionen der Bank nicht mehr vertreten können. Nur durch gutes Zureden eines jüngeren Kollegen springen sie doch nicht.

Jetzt zeigt sich, dass die Sorgen der Alten berechtigt waren. Sie sind zwar nicht gesprungen, aber das Hochhaus ist eingestürzt – und reißt sie mit in die Tiefe.fsp

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