Finanzkrise : "Wir blicken nicht mehr in den Abgrund"

Die Finanzbranche reagiert erleichtert auf die Zahlen der Citigroup – und das, obwohl sie rot sind. Doch es hätte schlimmer kommen können.

Stefan Kaiser
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Citigroup-Zentrale in New York. -Foto: dpa

Berlin - Die Zeiten müssen besondere sein, wenn ein Verlust von gut zehn Millionen Dollar pro Tag als Erfolg gefeiert wird. Genau das ist bei der Citigroup in den USA geschehen. Die einst größte Bank der Welt gab am Freitag einen Verlust von 966 Millionen Dollar (rund 725 Millionen Euro) für das erste Quartal bekannt. Doch die meisten Experten hatten mit weit Schlimmerem gerechnet. Schließlich hatte die Citigroup vor einem Jahr noch mehr als fünf Milliarden Dollar Verlust gemacht. „Das ist unser stärkstes Quartal seit mehr als einem Jahr“, frohlockte Finanzvorstand Ned Kelly. An den Börsen schossen die Aktienkurse von Banken weltweit in die Höhe. In Frankfurt legten die Papiere der Deutschen Bank bis zum Abend um 6,2 Prozent zu. Nur die Aktie der Citigroup gab nach.

Die Zahlen der Citigroup stärken die These, wonach die Finanzbranche das Gröbste überstanden habe. Anlass zu dieser Hoffung hatten in den vergangenen Tagen bereits die Großbanken J.P. Morgan Chase, Goldman Sachs und Wells Fargo gegeben, die allesamt Milliardengewinne für die ersten drei Monate des Jahres präsentiert hatten. „Was die Finanzkrise anbetrifft, sehen die Investoren Licht am Ende des Tunnels“, kommentierte Analyst Paul Mendelsohn von Windham Financial Services am Freitag die Zahlen der Citigroup. „Das Schlimmste könnte hinter uns liegen, und wir blicken nicht mehr in den Abgrund.“

Auch wenn Experten zufolge ein guter Teil der jüngsten Erfolge auf kürzlich gelockerte Bilanzierungsregeln zurückgeht, die es Banken erlauben, den Wert problematischer Papiere selbst einzuschätzen, so zeigt der Trend in der Finanzbranche doch nach oben. Von einem Zustand der Normalität ist die Citigroup jedoch deutlich weiter entfernt als etwa J.P. Morgan oder Goldman Sachs, die beide bereits angekündigt hatten, erhaltene Staatshilfen möglichst bald zurückzahlen zu wollen.

Die Citigroup wird dagegen erst einmal weiter am Tropf des Staates hängen. Der stützt das Unternehmen mit 45 Milliarden Euro Eigenkapital und bürgt zudem für ein insgesamt 300 Milliarden Dollar schweres Paket fauler Wertpapiere. Im Gesamtjahr 2008 hatte die Bank fast 28 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Sie ist damit weltweit eines der am stärksten von der Finanzkrise betroffenen Institute.

Auch im ersten Quartal 2009 musste die Citigroup erneut milliardenschwere Abschreibungen verkraften. Allein die Kreditkosten erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um 76 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro). Ein Großteil davon geht dabei auf das Konto des Kreditkartengeschäfts, das die gesamte Branche zunehmend belastet. Die Citigroup stellt nun 2,7 Milliarden Dollar für weitere Darlehensverluste zurück. Gleichzeitig verdoppelten sich die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr auf 24,8 Milliarden Dollar. Vorstandschef Vikram Pandit sagte, er sei erfreut über die Entwicklung der Bank. „Während wir und die Finanzindustrie angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche in den kommenden Quartalen vor Herausforderungen stehen, werden wir alles tun, um Citi zu stärken.“

Pandit ist gerade dabei, den Konzern aufzuspalten. Einige Teile, wie die deutsche Sparte Citibank, wurden bereits verkauft. Gleichzeitig baut der Konzern massiv Stellen ab. Seit Beginn der Finanzkrise wurden bereits 65 000 der ehemals 375 000 Jobs gestrichen.

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