Finanzkrise : "Wir müssen aufhören zu jammern"

Siemens-Finanzvorstand Kaeser fordert die Manager auf, ihren Job zu tun und die Wirtschaft aus der Krise zu führen.

Corinna Visser

Berlin - Kein Siemens-Manager kommt in die Hauptstadt, ohne die Bedeutung Berlins für das Unternehmen hervorzuheben. Auch Joe Kaeser enttäuscht das hiesige Publikum nicht: Hier habe alles begonnen, sagt der Siemens-Finanzvorstand beim Unternehmerfrühstück der IHK im Ludwig-Erhard-Haus. „Berlin und Siemens sind unzertrennlich verbunden.“ Es sei ein Skandal, dass keine Dax-Firma in Berlin ihren Sitz habe, sagt er, und spricht den Anwesenden damit aus dem Herzen. Warum Siemens nicht nach Berlin komme, fragt ein Zuhörer. Berlin sei neben München ja bereits einer der beiden Hauptsitze des Unternehmens, antwortet Kaeser. „Ich hätte kein Problem damit, das auch noch stärker zu betonen.“ Rund 13 000 Menschen arbeiten in Berlin für Siemens, es ist der weltweit größte Fertigungsstandort des Konzerns.

Hauptthema an diesem Morgen ist natürlich die Finanz- und Wirtschaftskrise. „Wir müssen aufhören zu jammern“, ist Kaesers erste Anmerkung. Es bringe nichts, über die Versäumnisse der Vergangenheit zu lamentieren. „Yes we can“, sei die richtige Einstellung. „Es ist Aufgabe der Eliten, mit Mut, Verständnis und Visionen voranzugehen.“ Damit meint Kaeser Manager und Politiker. Letztere sollten sich trotz der Wahlen in diesem Jahr mehr als Staatsmänner und -frauen verhalten denn als Politiker. Und er gibt den Entscheidern ein Wort von Firmengründer Werner von Siemens mit auf den Weg: „Für den augenblicklichen Gewinn verkaufe ich meine Zukunft nicht.“

Er finde es richtig, dass man sich mit dem Thema Managergehälter befasst, sagt Kaeser. Er begrüße alles, was helfe, dass sich die Besoldung der Manager am nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens orientiere. „Wenn es nichts zu verteilen gibt, gibt es nichts zu verteilen, weder an die Unternehmer, noch an die Mitarbeiter oder Manager.“ Dass ein Manager ein Hundertfaches von dem erhalte, was ein Arbeiter an der Werkbank verdiene, sei eine „verwirrte, dekadente Werteordnung“. Es könne aber nicht sein, dass die Politik die Gehälter bestimmt. „Die globale Wettbewerbsfähigkeit ist kein demokratischer Prozess.“ Siemens jedenfalls hat noch etwas zu verteilen: Konzernchef Peter Löscher war 2008 mit knapp elf Millionen Euro Spitzenverdiener im Dax.

Der Eingriff des Staates in den Finanzkreislauf sei sehr spät erfolgt, kritisiert Kaeser. Aber er sei richtig gewesen. Er sei mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einer Meinung: „Die Banken müssen wieder dienen lernen.“ Hier kann er sich der Zustimmung im Raum sicher sein. Dass er sich in der internationalen Finanzwelt bestens auskennt, beweisen viele Details seiner Rede. Er selbst, als Josef Käser 1957 im Bayerischen Wald geboren, nennt sich Joe Kaeser, damit sein Name international besser verstanden wird. Das rollende „R“ der Niederbayern hat er beibehalten.

Auch provokante Thesen wagt Kaeser beim Frühstück: „Die Welt kann ohne Siemens leben, ohne Opel, Conti und Schaeffler, aber nicht ohne den Finanzkreislauf“, sagt er. Sein Pressechef erschreckt bei diesen Worten. Das könnte falsch verstanden werden, fürchtet der. Die Unternehmer im Raum wissen, was Kaeser sagen will. Warum sollte der Staat Opel oder Schaeffler retten? Sie selbst müssen ihre Firma ja auch allein durch die Krise bringen. „Wenn GM pleitegeht, passiert gar nichts“, erklärt Kaeser. „Außer, dass die Arbeitsplätze bei Chrysler, Ford, Daimler und BMW sicherer werden.“

Kaeser mahnt aber auch zur gesellschaftlichen Verantwortung. Betriebsbedingte Kündigungen seien Gift für den sozialen Frieden, sagt er. Siemens will darauf verzichten. Kurzarbeit hält er für ein probates Mittel in der Krise. Zwar lobt er das Konjunkturpaket der Regierung, die Programme anderer Länder seien aber für die Exportnation Deutschland viel wichtiger. Deutschlands Stärke sei die Innovationskraft. Als Beispiel nennt er ein Produkt aus Berlin: Die leistungsfähigste Gasturbine der Welt baut Siemens in Moabit.

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