Finanzkrise : Wirtschaft zeigt Herz für Merkel

Punkt um Punkt listet Kanzlerin Merkel bei einer Rede im Erhard-Haus auf, was die Bundesregierung seit Beginn der Krise für die Wirtschaft getan hat, bis hin zu den Konjunkturpaketen. Doch jetzt muss die Schuldenmacherei wieder ein Ende haben.

Moritz Döbler

Berlin – Der Gastgeber sorgt für Verwirrung bei der Bundeskanzlerin. „Wirtschaft und Politik stehen im selben Verhältnis wie Herz und Verstand“, sagt Eric Schweitzer, der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, und Angela Merkel muss lachen. Sie habe nicht gewusst, ob die Politik das Herz kriege oder den Verstand, erklärt sie später. „Jedenfalls brauchen wir beides.“

Das trifft die Stimmung der rund 700 geladenen Gäste aus der Wirtschaft, die am Mittwochabend immer wieder applaudieren. Fast 45 Minuten spricht Merkel, ohne abzulesen – sie testet wohl die Wahlkampfrede, die sie so ähnlich in den nächsten Monaten noch oft halten wird und in der sie für Atomkraft ebenso wirbt wie für die Integration von Migrantenkindern. „Da ich Physik studiert habe, weiß ich, dass das alles irgendwie zusammenpassen muss.“

Doch unter dem Titel „Aktuelle Fragen der Wirtschaftspolitik“ geht es natürlich vor allem um die große Krise. „Die Banken waren ganz schnell bei uns“, erzählt sie. „Wir hatten auch kaum Zeit, baff zu sein.“ Punkt um Punkt listet sie auf, was die Bundesregierung seitdem für die Wirtschaft getan hat, bis hin zu den Konjunkturpaketen von insgesamt 80 Milliarden Euro über zwei Jahre. Doch jetzt müsse die Schuldenmacherei wieder ein Ende haben. „Es kann jetzt nicht dauernd neue Pakete geben. Wir gehen an die Grenze unserer Leistungsfähigkeit.“

Danach steht sie in ihrem braunen Hosenanzug an einem Stehtisch neben der Garderobe und hört den Kammervertretern aufmerksam zu, während Kellner Häppchen und Wein vorübertragen. Das Erhard-Haus ist vertrautes Terrain für die Kanzlerin: Im August 2005 hielt sie, damals noch Kanzlerkandidatin, schon einmal eine Rede dort, die der aktuellen in weiten Teile ähnelte. Nur die Forderung nach Deregulierung und Subventionsabbau – nun, die hat sich überholt. Vorerst jedenfalls: „Diese Krise ist nach einer bestimmten Zeit X vorbei“, sagt die Physikerin. 

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