Wirtschaft : Finanzkrisen und Naturkatastropen haben zu einem neuen Rekordniveau geführt

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Die Finanzkrise in Asien, der Krieg auf dem Balkan und die Folgen von Naturkatastrophen haben die Kreditzusagen der Weltbank im Geschäftsjahr 1999 auf eine neue Rekordhöhe getrieben. Mit 29 Milliarden Dollar stiegen sie gegenüber dem Vorjahr um 400 Millionen Dollar an. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht der Bank hervor. Obwohl die Bank zahlreiche dringende Anfragen befriedigt habe, sei sie nicht von ihrem Hauptanliegen, der Armutsbekämpfung, abgerückt, hieß es. 25 Prozent der Ausleihungen, 7,3 Milliarden Dollar, gingen 1999 in die Unterstützung der menschlichen Entwicklung. Knapp die Hälfte davon diente der sozialen Absicherung. Die Weltbank schloss ihr Geschäftsjahr mit einem Überschuss von 1,5 Milliarden Dollar ab.

Die meisten der zugesagten Ausleihungen gingen mit 9,8 Milliarden Dollar (34 Prozent) in die Region Ostasien/Pazifik. Dort sollten nach der Finanzkrise vor allem Märkte und Unternehmensstrukturen gestärkt und die Korruption bekämpft sowie die Sozialausgaben abgesichert werden. 27 Prozent der Kredite gingen nach Lateinamerika und in die Karibik zur Bewältigung der dortigen Finanzkrise sowie der Folgen des Wirbelsturms "Mitch". 18 Prozent wurden nach Osteuropa und Zentralasien vergeben - hauptsächlich für die Sozialausgaben und für strukturelle Reformen. In Südasien wurde mit neun Prozent der Ausleihungen die Armut bekämpft. In Afrika wurde mit sieben Prozent der Kreditzusagen unter anderem eine neue Initiative gegen Aids finanziert. Fünf Prozent der Gelder gingen nach Nahost und Nordafrika, um dort primär Wirtschaftsreformen zu unterstützen.

Nach Angaben der Weltbank stand neben dem Schutz der Ärmsten auch die Reform von Institutionen im Mittelpunkt. Zum ersten Mal übertrafen dabei die "Anpassungsdarlehen", beispielsweise für den Aufbau von Verwaltungsstrukturen, die "Investitionsdarlehen", etwa für Infrastruktur-Projekte. Die Anpassungsdarlehen erreichten im Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, eine Summe von 15,3 Milliarden Dollar.

Die Weltbank wolle ihren Armutsfokus weiter verstärken, da die staatliche Entwicklungshilfe generell zurückgehe, sagte Weltbank-Sprecherin Claudia von Monbart. "Die privaten Kapitalströme hingegen sind in den vergangenen zehn Jahren mächtig gestiegen." Waren es den Angaben zufolge damals noch 30 Milliarden Dollar, sind es mittlerweile 250 Milliarden Dollar jährlich. Der staatliche Kapitalfluss habe bei etwa 50 Milliarden Dollar verharrt. Das Problem beim privaten Engagement sei allerdings, dass das Geld hauptsächlich in Schwellenländer fließe, sagte Monbart.

Die Weltbank mit Sitz in Washington ist die größte internationale Entwicklungsbank. Die Non-Profit-Organisation wird von 181 Regierungen als Anteilseignern getragen - Deutschland ist der drittgrößte.

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