Finanzmärkte : Börsen zeigen Nerven – Ölpreis sinkt erneut

Die Sorge um die drohende Rezession schickt die internationalen Börsen erneut auf eine Achterbahnfahrt. Darunter leidet auch der Ölpreis. Zwischenzeitlich sackte der Preis für ein Barrel Opec-Rohöl auf ein Dreieinhalb-Jahrestief.

Tokio/Frankfurt Die Börsen reagieren weiter hochnervös auf die Konjunkturaussichten, die immer unsicherer werden. Angetrieben von Sorgen um eine tiefe Rezession in den USA stürzten am Dienstag zunächst die Aktienkurse weltweit ab. Im weiteren Tagesverlauf drehten dann vor allem europäische Indizes ins Plus. In Frankfurt lag der Leitindex Dax erst um 1,6 Prozent im Minus, zum Nachmittag aber stieg der Index für die 30 führenden Werte um 1,7 Prozent auf 4467 Punkte. Auch der Dow Jones startete an der Wall Street in New York nach massiven Kursverlusten des Vortags mit einem kleinen Plus. Belastet von der nervösen Stimmung fiel der Ölpreis am Dienstag zeitweise auf ein Dreieinhalb-Jahrestief.

Hoffnung auf US-Finanzspritze

Derzeit hänge die Unsicherheit über die Zukunft von GM, Ford und Chrysler wie ein Damoklesschwert über dem Markt, erklärte ein Händler die nervöse Stimmung. An diesem Dienstag läuft die Frist aus, innerhalb der die US-Autobauer dem amerikanischen Kongress einen konkreten Sanierungsplan vorlegen müssen, um staatliche Hilfen in Höhe von bis zu 25 Milliarden Euro zu erhalten. "So etwas wie die Lehman-Pleite sollte nicht noch einmal passieren", sagte ein Händler mit Blick auf den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers Mitte September, die vergeblich auf staatliche Rettung gehofft hatte.

Andere Börsianer begründeten die leichten Gewinne des Dax mit einer technischen Erholung nach den deutlichen Vortagsverlusten. Zudem verwiesen Händler auf Gerüchte, US-Finanzminister Henry Paulson habe weitere Mittel für die Bankenbranche zur Verfügung gestellt.

Managerindex verheißt Rezession

In Tokio sackte der Nikkei-Index unter die psychologisch wichtige Marke von 8000 Punkten. Zum Handelsschluss notierte das Barometer für 225 führende Werte einen heftigen Abschlag von 533,53 Punkten oder 6,35 Prozent auf 7863,69 Punkte. In Hongkong verlor der Hang-Seng-Index 5,0 Prozent auf 13405,85 Punkte.

Der Absturz der Börsen in Asien wurde mit schlechten Vorgaben von der Wall Street und mit düsteren US-Konjunkturdaten begründet. Am Montagabend waren die wichtigsten US-Aktienindizes mit massiven Kursverlusten aus dem Handel gegangen. Der Dow Jones rutschte um 7,7 Prozent auf 8149,09 Punkte ab. Schlechte Nachrichten hatten für einen Ausverkauf gesorgt: So war der wichtige ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie im November auf ein 26-Jahres-Tief gefallen. Der Index sackte mit 36,2 Punkten auf den niedrigsten Stand seit Mai 1982. Ein ISM-Stand von unter 40 Punkten lässt nach gängiger Definition auf eine längere Rezession schließen.

Öl bleibt billig

Auch die Ölpreise gaben am Dienstag zunächst weiter nach und sanken auf den niedrigsten Stand seit rund dreieinhalb Jahren. Zeitweise wurde ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar für 47,36 US-Dollar gehandelt. Später stieg der US-Ölpreis wieder leicht an und kletterte auf 49,65 Dollar. Das waren 37 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Januar stieg um 48 Cent auf 48,45 Dollar. Zeitweise war der Brent-Preis auf ein Tief von 46,02 Dollar gesunken.

Auch der Preis für Rohöl der Opec sank kräftig. Ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells habe am Montag 45,57 Dollar gekostet, teilte das Opec-Sekretariat am Dienstag in Wien mit. Das waren 1,65 Dollar weniger als am Freitag.

Die leichte Erholung bei den Ölpreisen im Laufe des Tages sei durch die Stimmungsaufhellung an den Aktienmärkten zu erklären, sagten Händler. Zudem handele es sich um eine Reaktion auf den drastischen Ölpreisrückgang am Vortag. Die Kursverluste an den Börsen am Montag und im frühen Handel am Dienstag seien durch die schwachen Konjunkturdaten vom Montag aus den USA zu erklären. Diese hätten eine länger anhaltende Rezession signalisiert, sagten Händler. (iba/dpa)

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