Wirtschaft : Finanzmärkte: Die Börse hofft jetzt auf Neujahr

Bernd Frank

Die Börsen haben andere Sorgen. Ob Al Gore oder George W. Bush die Wahl in Amerika gewinnt, interessiert die Finanzmärkte nur noch an zweiter Stelle. Viel entscheidender ist, ob die Wirtschaft in den USA nach fast zehn Jahren starken Wachstums eine harte oder eine weiche Landung hinlegen wird. Die Gefahr steigender Zinsen tritt dabei in den Hintergrund. Dass diese Meinung auch an den Märkten verbreitet ist, zeigt das Verhalten der vielen Anleger, die zuletzt ihr Geld verstärkt in Anleihen und andere Zinspapiere angelegt haben mit der Folge sinkender Langfristzinsen. Zusammen mit den Wachstumsproblemen in Japan ergibt dies ein Szenario, das zur Krise führen kann, denn auch Europa würde davon nicht verschont bleiben. Solange der Erfolg einer sanften Landung in den USA unsicher ist, dürfte es an den Aktienmärkten keinen nachhaltigen Aufschwung geben. Kurzfristig fehlt auch das Engagement vieler institutioneller Investoren. Bleibt die Hoffnung auf den Beginn des neuen Jahres. Sollte - wie es die meisten Experten erwarten - eine Rezession in den USA vermieden werden und sich Europa auf Wachstumskurs halten, können Aktienanleger aufatmen. Wenn die erwarteten Unternehmensgewinne des Jahres 2002 in die Berechnungen der Kurs-Gewinn-Verhältnisse eingehen, dann sehen viele Aktien wahrscheinlich gar nicht mehr teuer aus. Zudem könnte ein Mann wieder in den Vordergrund treten, der schon manche Konjunkturklippe geschickt umschifft hat: Alan Greenspan. Der US-Notenbankchef kann mit Zinssenkungen frühzeitig der Rezessionsgefahr entgegenwirken. "Soft-Landing" mit einer leichten Zinssenkung - das wäre das Idealszenario für die Börsen.

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