Wirtschaft : Finanzmärkte sehen Euro auf der Gewinnerseite

FRANKFURT (MAIN)/BRÜSSEL (tog/Tsp/rtr).Mit einer Lichterparade an den Wolkenkratzern, die ein "E" für Euro sichtbar machte, wurde in der Silvesternacht der Start des Euro in der Finanzmetropole Frankfurt (Main) gefeiert.Am Neujahrstag bildeten Tausende Menschen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) ein Euro-Zeichen, während in den Instituten Mitarbeiter mit Hochdruck an der Umstellung der Zahlungssysteme arbeiteten.

Unmittelbar nach der Bekanntgabe der endgültigen Umrechnungskurse der elf teilnehmenden Währungen zum Euro am Donnerstag mittag hat in Finanzinstituten und Unternehmen weltweit die Umstellung der Computersysteme begonnen."Es läuft außergewöhnlich gut", sagte der Sprecher der Deutschen Bank, Detlev Rahmsdorf, am Freitag."Die Lage ist ruhig", hieß es bei der Dresdner Bank."Alles planmäßig", meldete auch die Europäische Zentralbank, die die Umstellungsarbeiten überwacht.Bis zum ersten Arbeitstag von Banken und Börsen im neuen Jahr, dem 4.Januar, muß vom Zahlungsverkehr bis zum Wertpapierhandel alles in Euro funktionieren.

Finanzexperten der Banken haben der europäischen Währung einen Traumstart vorausgesagt.Die erste Feuertaufe steht dem Euro schon in der Nacht zum Montag bevor, wenn in Sydney die Börse geöffnet wird.Händler schätzen, daß der Euro sich zunächst bei rund 1,19 Dollar einpendeln wird - der letzte amtliche Kurs der Währungseinheit Ecu war am Donnerstag mit 1,16675 Dollar fixiert worden.Sie rechnen allerdings damit, daß der Euro noch an Stärke gegenüber dem Dollar gewinnt.Bei der Sondersitzung in Brüssel meinte der amtierende EU-Ratsvorsitzende, der österreichische Finanzminister Rudolf Edlinger, die erste Bewährungsprobe habe der Euro schon vor seiner Geburt bestanden, als in den vergangenen Monaten die europäischen Wechselkurse trotz der Turbulenzen der Rußland- und Asien-Krisen stabil blieben.Schon im Mai 1998 hatten die Finanzminister in einem taktischen Schachzug die Umrechungskurse zwischen den Euro-Währungen vorzeitig festgezurrt, um der Spekulation den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Nach dem Beschluß der EU-Finanzminister können die Währungen der elf Teilnehmerstaaten künftig weder im Kursverhältnis untereinander noch zum Euro schwanken.Ein Euro ist damit bis zur endgültigen Abschaffung der nationalen Währungen im Jahr 2002 immer 1,95583 DM, 6,55957 Franc, 13,7603 österreichische Schilling oder 1936,27 italienische Lire wert.

Doch auch die zunächst nicht teilnehmenden Staaten wollen sich eng am Euro orientieren.Der griechische Finanzminister kündigte an, daß sein Land alles tun werde, um die Eingangsbedingungen im Jahr 1999 zu erfüllen und dann im Jahr 2001 zur Euro-Zone stoßen zu können.Auch Großbritannien, Dänemark und Schweden, die wegen innerer politischer Widerstände vorerst nicht teilnehmen, erklärten nun, daß sie in hohem Maß an einem Erfolg des Euro interessiert seien.Am Silvestertag legten die EU-Finanzminister auch die Leitkurse und die Schwankungs-Bandbreiten für die Dänische Krone und die griechische Drachme fest, die in einem angepaßten Wechselkurssystem ("EWS II") an den Euro gebunden werden.In London wächst unterdessen der Druck aus Wirtschaft und Politik auf die Regierung, möglichst rasch der Euro-Zone beizutreten, um Schaden von der britischen Wirtschaft abzuwenden.

Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer warnte unterdessen vor überzogenen Hoffnungen.Die Perspektiven für Wachstum und Beschäftigung könnten sich wegen des Wegfalls der Wechselkursrisiken verbessern, doch werde sich auch der Wettbewerb intensivieren, schrieb er in einem Beitrag für das "Handelsblatt".Der Euro allein könne strukturelle Standortdefizite nicht ausgleichen.Auch der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, erwartet keinen unmittelbaren Wachstumsschub.Die Wettbewerbsintensivierung werde die Unternehmen aber fitter machen, sagte er in einem Interview der Deutschen Welle.Die Verbraucher könnten dagegen schon bald die Vorteile der neuen Währung zu spüren bekommen.Wegen der größeren Transparenz werde der Euro Druck auf das Preisniveau ausüben, sagte der Chef der hessischen Landeszentralbank, Hans-Jürgen Koebnick.Dies gelte vor allem für Deutschland, wo die Preise im Vergleich hoch seien.

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