Wirtschaft : Finanzmärkte: Wenn Banken die Kurse beeinflussen

tmo

Was haben Wim Duisenberg, Chef der Europäischen Zentralbank, und Deutsche-Bank-Primus Rolf Breuer gemeinsam? Beide greifen schon mal in das Geschehen an den Finanzmärkten ein. Duisenberg intervenierte an den Devisenmärkten zu Gunsten des Euros. Die Deutsche Bank engagierte sich dagegen jüngst für die Fußball-Aktie Borussia Dortmund. Banken und Fonds beeinflussen zum Teil mit milliardenschweren Transaktionen die Aktienkurse. Privatanleger erfahren davon fast nie etwas. "Die wenigsten Fälle werden bekannt", sagt Anlageberater Felix Schleicher, beim Vermögensverwalter Fiduka mitverantwortlich für über 500 Millionen Mark Kundengelder.

Zwar machen nach auffälligen Kursbewegungen häufig Gerüchte über massive Markteingriffe die Runde, bei Börsengängen ist es sogar allgemein üblich, dass die Konsortialbanken in den ersten Wochen nach der Emission den Kurs "pflegen". Doch nur selten geben die Institute dies so offen zu wie die Deutsche Bank im Fall der BorussenAktie. Mit ihrem öffentlichen Bekenntnis signalisierte die Deutsche Bank, dass sie als Konsortialführerin der Kursentwicklung nicht untätig zusehen wird. Eine bessere Werbung kann sich die Emissionsabteilung des Instituts kaum wünschen. "Die können bei anderen Börsenaspiranten damit hausieren, dass sie ihre Kunden nicht im Stich lassen", sagt Fiduka-Manager Schleicher.

Rechtlich spielen sich solche Aktionen in einer Grauzone ab. "Es gibt keine detaillierte Regelung darüber, wo legale Stützungskäufe aufhören und illegale Kursmanipulation anfängt", sagt Regina Nößner, Sprecherin des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel. Derzeit diskutieren die Aufsichtsbehörden der EU über eine einheitliche Richtlinie. Danach sollen Stützungskäufe nur noch in einer begrenzten Zeit nach Börsengängen erlaubt sein. Außerdem sollen die Banken ihre Aktionen veröffentlichen.

Institutionelle Anleger werten Gerüchte über Stützungskäufe häufig als Verkaufssignale. "Besonders amerikanische Investoren reagieren mit einer brutalen Verkaufslawine", sagt Schleicher. Er rät privaten Investoren daher, bei Spekulationen um angebliche Stützungskäufe ihre Aktien zu verkaufen - so lange sie noch einen Käufer finden.

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