Finanzmarktkrise : Deutsche Bank trotzt der Krise

Auch die Deutsche Bank ist von der US-Hypothekenkrise gebeutelt. Milliardenschwere Belastungen verunsichern die Anleger. Und doch: Der Vorstandsvorsitzende, Josef Ackermann, kann eine stattliche Gewinnprognose ausweisen.

Daniel Rhee-Piening,Rolf Obertreis
Josef Ackermann
Hat seine Bank im Griff: Josef Ackermann.Foto: ddp

Frankfurt am Main/BerlinDie weltweite Finanzkrise kostet die Deutsche Bank im dritten Quartal insgesamt 2,2 Milliarden Euro. Dennoch erwartet das größte deutsche Geldhaus für Juli bis September einen höheren Nettogewinn als im Vorjahresquartal. Der Vorstandsvorsitzende, Josef Ackermann, bekräftigte am Mittwoch die Prognose für den Gewinn von 8,4 Milliarden Euro in 2008.

„Trotz eines herausfordernden Quartals für unsere Investmentbankingeinheiten zeigten unsere ,stabilen’ Geschäftsfelder weiterhin eine gute Leistung“, erklärte Ackermann auf einer Investorenkonferenz in London. „Nach der Phase der Marktkorrektur sehen wir wieder substanzielle Möglichkeiten im Investmentbanking.“

Unter dem Strich erwartet das Institut im dritten Quartal einen Nachsteuergewinn von 1,4 Milliarden Euro. Das ist ein Sechstel mehr als im Vorjahresquartal. Im zweiten Quartal 2007 waren es allerdings noch 1,8 Milliarden Euro gewesen. Die Deutsche Bank profitiert nach den Worten von Ackermann auch von Steuererträgen in Höhe von insgesamt mehr als 200 Millionen Euro. Sie resultieren unter anderem aus der Unternehmensteuerreform und aus der Beilegung von Steuerverfahren.

Die Aktionäre freuten sich über die Offenheit der Deutschen Bank. Die Aktie legte nach der Mitteilung deutlich zu und zählte am späten Nachmittag mit einem Plus von mehr als zwei Prozent auf 95,95 Euro zu den stärksten Gewinnern im Dax. „Am wichtigsten war, dass die Deutsche Bank zu ihren Prognosen für 2008 steht. Das ist genau das, was die Märkte hören wollten“, sagte Analyst Heino Ruland von Frankfurt Finanz. Dennoch blieben einige Börsianer skeptisch. „Es ist eine Beruhigung, aber keine Entwarnung“, sagte ein Händler. „Die Zahlen sehen auf den ersten Blick zwar sehr gut aus, aber ich traue dem Frieden nicht.“

Die Ratingagentur Standard & Poor's erklärte am Mittwoch, sie halte an ihrer Einstufung für die Deutsche Bank von „AA“ fest. Auch der Ausblick bleibe stabil. Die Ertragskraft von Deutschlands größtem Geldhaus sei trotz der Einbußen durch die Finanzkrise gut, erklärten die S&P-Analysten.

Die Belastungen im dritten Quartal resultieren besonders aus dem Geschäft mit Kreditprodukten, Wohnungsimmobilien und dem Handel mit Aktienprodukten, teilte die Bank mit. Sie setzen sich zusammen aus 700 Millionen Euro für die Neubewertung von Kreditzusagen für Übernahmen in Höhe von 29 Milliarden Euro, die die Deutsche Bank derzeit wegen der schwierigen Marktsituation nicht wie geplant weiterverkaufen kann, und aus Buchverlusten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro für verbriefte Wohnungsimmobilien und andere Kreditprodukte. Deren Werte sind durch die Krise stark gefallen, könnten sich freilich im Laufe des nächsten halben Jahres wieder deutlich erhöhen, wie eine Banksprecherin sagt.

Insgesamt werden diese Belastungen im dritten Quartal zu einem Verlust zwischen 250 und 350 Millionen Euro in diesem Bereich des Investmentbankings führen. Allerdings sei der Verlust einmalig, sagte ein Banksprecher. Vor Jahresfrist hatte die Bank dort noch einen Gewinn von 960 Millionen Euro verbucht.

Zufrieden zeigte sich Ackermann mit der Ergebnisentwicklung der stabilen Geschäftsfelder wie dem Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung. Alle diese Unternehmensbereiche erzielten sehr gute Ergebnisse, die in Einklang mit den Erwartungen des Managements stehen, verkündete der Konzern.

Im Konzernbereich „Corporate Investments“ werde das Institut im dritten Quartal voraussichtlich ein Vorsteuerergebnis von rund 600 Millionen Euro erzielen. Darin seien aber Gewinne aus dem Abschluss des Verkaufs des Gebäudes 60 Wall Street in New York sowie Gewinne aus anderen Vermögenswerten enthalten.

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