Wirtschaft : Finanzminister und Notenbankchefs diskutieren am Mittwoch in Berlin

gbr

Die Finanzminister und Notenbankchefs der neu gebildeten G-20-Staatengruppe werden in dieser Woche in Berlin zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommen. Ihre Aufgabe ist es, die internationalen Finanzmärkte zu stabilisieren und Krisen vorzubeugen. Das Treffen wird vom kanadischen Finanzminister Paul Martin geleitet, der zwei Jahre lang den Vorsitz der G-20 innehaben wird. Die Kanadier wissen, dass diese Beratungen am Mittwoch und Donnerstag Hinweise darauf geben werden, wie bedeutend die G-20-Gruppe künftig sein wird. Man werde versuchen, einen Konsens darüber zu erzielen, welche Rolle die Gruppe spielen werde, ist von leitenden Beamten des kanadischen Finanzressorts in der Hauptstadt Ottawa zu hören.

Die Bildung der G-20 ist eine Folge der Finanzkrise in Asien. Der Ursprung der Krise lag zwar in den Schwellenländern, die Auswirkungen aber erfassten die globale Ökonomie. Immerhin erreicht der Kapitalfluss von den Industrie- in die Schwellenstaaten 1997 - also vor der Krise - ein Volumen von 320 Milliarden Dollar. Die G-20 soll dazu beitragen, Krisen künftig zu verhindern. Der G-7-Gipfel im Juni in Köln hatte bereits angeregt, eine größere Anzahl von Staaten in die Diskussionen über das internationale Finanzsystem einzubeziehen. Im September wurde dann beim Treffen der Finanzminister in Washington die "Gruppe der 20" als Forum für einen informellen Dialog geschaffen. Anders als bei den G-7 sind darin auch Schwellenländer wie Argentinien, China oder die Türkei vertreten.

Themen der Berliner Beratungen werden nach Angaben der Kanadier die Regulierung des Finanzsektors, Überwachungsmechanismen, Schuldenmanagement, das Wechselkursregime und internationale Standards in der Finanzwirtschaft sein. Dabei geht es um den Aufbau einer wirkungsvollen Überprüfung und Transparenz von Bank- und Finanzsystemen, eine transparente Kreditvergabe und - unausgesprochen - um den Kampf gegen Korruption. Dies, so heißt es, solle dazu beitragen, "Schwachpunkte" in den Finanzsystemen erkennen und Krisen abwenden zu können.

Eines wollen die Kanadier verhindern: Dass die Treffen der G-20 mit so großem bürokratischem Aufwand betrieben werden, dass es kaum Raum gibt für einen freien, informellen Dialog. Man setze vielmehr darauf, dass der "freie Fluss der Debatte" dazu führen wird, dass sich alle auf eine Agenda verständigen, heißt es in Ottawa.

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