Wirtschaft : Finanzministerbeobachten Spekulanten

G-7-Staaten einigen sich bei Gipfeltreffen in Essen

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Essen - Die sieben führenden Industrieländer (G 7) haben sich in der Debatte um mehr Transparenz bei Hedge-Fonds erstmals auf eine gemeinsame Linie verständigt. Sie wollen die hochspekulativen Finanzinvestoren genauer unter die Lupe nehmen. Angesichts der potenziellen und zunehmend komplexen Risiken des stark wachsenden Hedge-FondsMarktes müsse man wachsam sein, heißt es in der Abschlusserklärung der G-7-Finanzminister und -Notenbankchefs vom Samstag in Essen. In dem nach zweitägigen Beratungen vereinbarten Papier heben die G 7 aber auch den Nutzen der kaum kontrollierten Fonds für die Wirtschaft und die Effektivität der Finanzmärkte hervor.

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat damit zum Beginn der deutschen G -7-/ G-8-Präsidentschaft einen wichtigen Teilerfolg erzielt und die USA und Großbritannien als Hauptakteure dieser Branche für seine Pläne gewinnen können. Er sprach von einem „gelungenen Einstieg in die Debatte“. Es sei auch im Interesse der Fonds, die Aufsichtsbehörden in die Lage zu versetzen, Prophylaxe zu betreiben.

Zuletzt kam vor allem aus Großbritannien Widerstand, wo die Finanzdienstleistungen einen großen Stellenwert haben. Die meisten der rund 9000 Hedge-Fonds, die weltweit ein Kapital von 1,4 Billionen US-Dollar verwalten, operieren aus dem angelsächsischen Raum. Ziel der G 7 ist, mögliche Risiken aus den Aktivitäten der Hedge-Fonds auszumachen und so weltweite Finanzkrisen und Dominoeffekte bei Fondspleiten zu verhindern.

Die europäischen Exporteure müssen sich derweil weiter auf eine schwache japanische Währung einstellen und können vorerst nicht auf Rückenwind von der Politik hoffen. Die Minister warnten am Samstag zwar vor abrupten Wechselkursschwankungen. In der Abschlusserklärung wird der Yen, der als unterbewertet gilt, aber nicht ausdrücklich erwähnt.

Ausdrücklich wenden sich die Ressortchefs dagegen an die Adresse Chinas. „In aufstrebenden Volkswirtschaften mit großen und wachsenden Überschüssen in der Leistungsbilanz müssen sich Wechselkurse bewegen, so dass notwendige Anpassungen möglich sind“, heißt es in der Abschlusserklärung. Die USA werfen China seit langem vor, seine Exporteure mit einem künstlich niedrigen Wert der Währung Yuan/Renminbi zu begünstigen. Ein Großteil des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits geht auf die hohen Importe aus China zurück.

Zum Auftakt der G-7-Tagung in Essen hatte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Aufnahme Chinas als neues Mitglied in Aussicht gestellt: „Es gibt darüber noch kein formales Verfahren, aber es ist meine politische Prophezeiung, dass es dahin geht“, sagte er. dpa

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