Wirtschaft : Finanzorganisationen halten Kredite an Indonesien zurück

Nach IWF setzt Weltbank Zahlung aus / Neuer Skandal in Japan JAKARTA/TOKIO (AFP).Nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben auch die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank Milliardenkredite für Indonesien auf Eis gelegt, weil sie zugesagte Reformen vermissen.Wie ein Vertreter der Weltbank am Dienstag in Tokio mitteilte, sollen eine Mrd.Dollar (1,83 Mrd.DM) zunächst nicht wie geplant ausgezahlt werden.Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) hält ihrerseits einen 1,5-Mrd.-Dollar-Kredit zurück.Am Freitag hatte bereits der IWF die Auszahlung einer Kreditrate über drei Mrd.Dollar (5,5 Mrd.DM) verschoben.Zur Begründung hieß es, Indonesien sei den IWF-Forderungen nach wirtschaftlichen Reformen nicht in vollem Umfang nachgekommen.Die Vorwürfe zielen hauptsächlich gegen Staatschef Suharto, der sich am Dienstag nach 32jähriger Herrschaft erneut für fünf Jahre im Amt bestätigen ließ.Die Weltbank erklärte in ungewohnter Direktheit, die erste Rate eines für das laufende Jahr vorgesehenen Kredits über zwei Mrd.Dollar werde erst ausgezahlt, wenn Indonesien die zugesagten Reformen auch tatsächlich vornehme.Der Weltbankkredit ist wie die ADB-Tranche Teil des IWF vermittelten Hilfsprogramms für Indonesien, dessen Gesamtvolumen sich auf umgerechnet 73 Mrd.DM beläuft.Japan als größter geldgebender Einzelstaat deutete am Dienstag an, sich den Entscheidungen der Finanzorganisationen möglicherweise anschließen zu wollen.Dabei geht es um ein Kreditvolumen von umgerechnet 287 Mill.DM.Die Aussetzung der Kreditzahlungen droht Indonesien vor dem Hintergrund der asiatischen Wirtschafts- und Finanzkrise, der wachsenden sozialen Unruhen und einer aus den Fugen geratenden Volkswirtschaft immer tiefer im Chaos versinken zu lassen.Die Bekanntgabe der neuerlichen Kreditsperren wenige Stunden nach der inszenierten Wiederwahl Suhartos wurde von vielen Beobachtern als persönliche Warnung an den Staatschef empfunden.Auf Kritik stößt bei den Finanzorganisationen vor allem das Vorhaben Suhartos, die Landeswährung Rupiah fest an den US-Dollar binden zu wollen.Die indonesische Börse reagierte mit leichten Verlusten auf die Kreditsperren und die Wiederwahl Suhartos.Händler betonten, die Entwicklungen seien auf den Finanzmärkten erwartet worden und hätten folglich keine großen Kursausschläge verursacht.Der Aktienindex in Jakarta fiel um 5,33 auf 490,47 Punkte.Die Währung Rupiah pendelte relativ stabil zwischen 10 300 und 10 700 Rupiah je Dollar.Unterdessen zieht der Korruptionsskandal in der japanischen Finanzwelt weitere Kreise.Die Tageszeitung "Asahi Shimbun" berichtete am Dienstag von einem neuen Fall, in dem sich ein ranghoher Beamter des Finanzministeriums von Geldinstituten, die seiner Kontrolle unterstanden, fürstlich bewirtet haben lassen soll.Die Spesen sollen sich auf mehrere Mill.Dollar belaufen.Im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal gab es bereits zwei Razzien, mehrere Festnahmen und Ermittlungsverfahren gegen mutmaßlich korrupte Beamte.Die Regierung stellte unterdessen die Weichen für die Deregulierung des Finanzmarktes und verabschiedete am Dienstag vier Gesetzentwürfe.Bis zum Jahre 2001 soll demnach auf dem bisher streng regulierten Finanzsektor der freie Wettbewerb herrschen.In einem ersten Schritt sollen im April alle Beschränkungen im Devisenhandel fallen.

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