Wirtschaft : Finanzpolitik: Die Zeichen der Verlässlichkeit

Martina Ohm

Wir spüren es jeden Tag. Nach dem 11. September haben sich die Maßstäbe verschoben. Auch die Welt der Börsianer und Bosse dreht sich schneller und in ungewohntem Rhythmus. Wer bislang stets nach dem Prinzip lebte, alles im Griff zu haben, muss sich anders orientieren. Das Spekulieren und Wirtschaften ist noch unberechenbarer geworden. In einem neuen Kontext stellen sich plötzlich viele Fragen, die rasch Antworten verlangen. Eine Herausforderung - besonders für die Führungskräfte auf politischer Bühne. Sie sind gefordert, der wachsenden Verunsicherung von Märkten und Managern zumindest ein Gefühl von Sicherheit entgegenzusetzen. Denn eines ist nach dem schrecklichen Dienstag klar geworden: Stärker als je zuvor sehnen sich die Menschen nach Vertrauen und Verlässlichkeit. Europas Geldpolitiker haben bereits ein solches Signal des Vertrauens gesetzt und bewiesen, dass sie sich so schnell nicht in die Knie zwingen lassen. Beherzt sind sie über ihren Schatten gesprungen, haben sich die Entschlossenheit der US-Notenbank zum Vorbild genommen und zum Ausdruck gebracht, dass sie die Krise solidarisch meistern werden. Im belgischen Lüttich setzten die EU-Finanzminister am Wochenende ein vergleichbares Zeichen: Abstriche an den im Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt festgeschriebenen Haushaltsregeln wird es nach dem erklärten Willen der EU-Staats- und Regierungschefs nicht geben. Eine weise Entscheidung und eine Entscheidung ohne Alternative. Denn der Beschluss macht klar: Europa lässt sich nicht vom Kurs abbringen - auch nicht in der Währungspolitik. Tatsächlich wäre wohl jedes andere Signal für das Projekt Euro, 100 Tage vor der Bargeldeinführung in den zwölf Ländern der Währungsgemeinschaft, verhängnisvoll. Handlungsspielraum bleibt Europas Finanzpolitikern gleichwohl erhalten. Denn sie müssen weder im großen Umfang die Schulden noch die Steuern erhöhen. Auch durch Umschichtungen im Haushalt lassen sich notwendige Mittel gewinnen.

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