Finanzpolitik : Fünf Mythen über das billige Geld

Im Streit um niedrige Zinsen wird viel behauptet – nicht alles stimmt. Das fängt bei der Enteignung der Sparer an und hört bei den Es-geht-immer-noch-billiger-Krediten auf. Ein Faktencheck in fünf Teilen als Blendle-Empfehlung.

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Dieser Tage ist das Geld billig.
Dieser Tage ist das Geld billig.Foto: dpa

Mario Draghi weiß, wie man Investoren zum Staunen bringt. Wie man Bankern das Fürchten lehrt. Wie man selbst dann noch etwas hervorzaubert, wenn die Zuschauer längst denken, schon alles gesehen zu haben. Das hat der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) erst kürzlich wieder bewiesen, als er den Leitzins auf null Prozent senkte. Und als er beschloss, noch mehr Geld in den Markt zu pumpen als ohnehin schon. Doch so zauberhaft Draghi sich und seine Vorhaben verkauft, so lautstark wird seine Politik verteufelt.

Richtig ist: Draghi stellt vieles auf den Kopf. Seine Politik stellt infrage, wie Banken arbeiten. Sie stellt Anleger, die Geld fürs Alter zurücklegen wollen, vor bislang nicht gekannte Herausforderungen. Doch längst nicht alles, was in diesen Tagen über Draghis Politik verbreitet wird, ist ganz richtig. Das fängt bei der Mär von der Enteignung der Sparer an und hört bei den Es-geht-immer-noch-billiger-Krediten auf. Ein Thesencheck in fünf Teilen.

1 SPARER WERDEN ENTEIGNET

Von der Enteignung der Sparer zu sprechen, ist populär. Banker tun es ebenso gerne wie Journalisten. Faktisch ist es allerdings Unsinn. Das wird allein schon klar, wenn man über den Wortsinn nachdenkt. Von einer Enteignung spricht man, wenn der Staat Privatleuten oder Unternehmen ihr Eigentum entzieht – wenn er sich nimmt, was ihm nicht gehört. Eine Enteignung der Sparer würde bedeuten: Der Staat nimmt den Verbrauchern ihre Ersparnisse weg. Doch so weit geht selbst der Einfluss von Draghi und seiner EZB nicht.

Was die Notenbanker mit ihrer Politik kassieren, ist „nur“ der Zins. Mit dem Zins werden Sparer belohnt, wenn sie ihr Geld zur Bank bringen, statt es zu verprassen. Über den Zins werden sie dafür bezahlt, dass die Bank in der Zwischenzeit mit dem Geld arbeiten darf: zum Beispiel um Firmen Kredite zu gewähren. Wenn die EZB den Zins nun so weit drückt, dass Banken Sparern kaum noch etwas zahlen können, ist das extrem ärgerlich – aber keine Enteignung.

Das gilt selbst dann noch, wenn die Institute ernst machen und auch für Kleinsparer einen Negativzins einführen sollten. Wenn Sparer also dafür zahlen müssten, dass die Bank ihr Geld verwahrt...

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