Finanzprodukte : Anlegen mit Allahs Segen

Auch in Deutschland gibt es shariakonforme Zertifikate und Indexfonds.

Jahel Mielke

Geht es nach der Sharia, dürfen Muslime nicht in Waffen, Alkohol, Tabak, Pornografie oder Glücksspiel investieren. Sie dürfen auch nicht durch Zinsen Geld verdienen. So schreibt es das islamische Recht vor. Nicht nur im islamischen Raum, auch in Europa bieten Banken darum shariakonforme Finanzprodukte an. Sie werden von Ethikkommissionen, den Sharia Boards, kontrolliert. Religiöse Gelehrte bestimmen, in welche Unternehmen investiert werden darf, und prüfen, ob das Zinsverbot eingehalten wird.

Auch in Deutschland gibt es shariakonforme Zertifikate und Indexfonds. Die Deutsche Bank etwa bietet solche Produkte an. Sie würden aber eher in den arabischen Ländern gekauft, erklärt ein Sprecher. Auch die UBS und die HSBC verkaufen shariakonforme Zertifikate in Europa. Das Interesse in Deutschland ist bisher gering, obwohl es viele Muslime gibt. „Das liegt daran, dass viele Muslime hierzulande an das westliche Bankensystem gewöhnt sind. Außerdem gibt es auch nur wenige Produkte“, sagt Zaid al Mogaddedi, Gründer und Managing Director des Institute for Islamic Banking and Finance (Ifibaf) in Frankfurt am Main.

Islamische Banken dürfen nur mit schariakonformen Produkten handeln. Seit den 60er Jahren gibt es diese nach religiösen Prinzipien organisierten Geldinstitute. Nach Angaben des Ifibaf machen sie weltweit rund 28 Prozent der Banken aus und stehen in der arabischen Welt gleichberechtigt neben konventionellen Instituten. Auch die islamischen Banken handeln mit einer Art Kredit, nur nehmen sie keine Zinsen dafür. Bei der Murabaha etwa verleiht die Bank kein Geld, sondern kauft für den Kunden Waren oder Immobilien. Der Schuldner kauft der Bank die Waren zu einem höheren, vorher vereinbarten Preis ab. Die Musharaka funktioniert wie ein Joint Venture: Bank und Unternehmer stellen Kapital zur Verfügung, bringen sich ins Management ein und sind an Gewinn und Verlust beteiligt. Bei der dritten gängigen Variante, der Mudaraba, dem Pendant zur stillen Beteiligung in Deutschland, bringen Banken das Kapital ein. Der Unternehmer wird prozentual am Gewinn, nicht aber an Verlusten beteiligt. „Islamische Banken verlangen einen deutlich stärkeren realwirtschaftlichen Bezug. Geld ist für sie keine handelbare Ware, sondern reines Tauschmittel“, sagt Zaid al Mogaddedi.

Er sieht im „Islamic Banking“ großes Potenzial. „Die schariakonformen Finanzprodukte waren von der Krise nicht so stark betroffen, weil sie ein klares Verbot von hochspekulativen Elementen enthalten. Das hat nicht nur islamisch geprägte Anleger überzeugt.“ Al Mogaddedi setzt große Hoffnungen in neue Produkte. Eine deutsche Vermögensverwaltungsgesellschaft entwickelt derzeit einen schariakonformen Investmentfonds mit einem eigenen Sharia Board. Der Fonds soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Zwar ist es nach islamischem Recht kein Problem, in Aktien anzulegen, also Beteiligungen zu kaufen. Bei der Dividende muss aber aufgepasst werden. Hat ein Unternehmen Zinseinkünfte, muss der Aktionär den entsprechenden Anteil an der Dividende spenden.Jahel Mielke

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