Wirtschaft : FINANZRATGEBER: LEBENSVERSICHERUNGEN / Euro-Panik fehl am Platze

RITA LANSCH (HB)

Vorzeitige Kündigung von Lebenversicherungen kommt teurerVON RITA LANSCH (HB)

DÜSSELDORF.Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch etwas Besseres findet.Diese alte Volksweisheit ist zwar nicht auf Versicherungen gemünzt, gleichwohl ist sie hier angebracht.Insbesondere in Erwartung der Währungsunion fragt sich so mancher Lebensversicherte, was er tun soll und kann.Bei den übrigen Versicherungen spielt der Euro keine Rolle, da es dort lediglich um die Begleichung von Schäden geht, ohne Sparvorgang.Demgegenüber ist die klassische kapitalbildende Lebensversicherung mit einem gewaltigen Sparprozeß verknüpft, der mindestens zwölf, durchschnittlich sogar 20 Jahre dauert. Die Gesellschaften legen das Geld ihrer Kunden vornehmlich in Zinspapieren an; Ende 1995 waren es fast 77 Prozent der gesamten Kapitalanlagen.Die Verträge sind somit Inflationsrisiken traditionell stark ausgesetzt.Doch Panik wäre fehl am Platze.Nüchtern betrachtet muß man sagen, daß die Kunden durch eine vorzeitige Kündigung von Lebenspolicen immer noch mehr verlieren als gewinnen können.Das liegt an der hohen Kostenbelastung der Verträge in den Anfangsjahren (Povision, Verwaltung), der zeitlichen Gewinnverteilung (Schlußboni) und den Stornoabschlägen, was zusammengenommen zu den oft kritisierten, niedrigen Rückkaufswerten führt.Hinzu kommt, daß der Fiskus heute schon voll zuschlägt, wenn der Vertrag kürzer als zwölf Jahre lang besteht.Diese Einbußen müßte eine Alternativanlage erst einmal wettmachen. Vor einer Kündigung kann es sinnvoll sein, über eine Verkürzung der Laufzeit zu verhandeln.Das bietet sich aber auch nur für Verträge an, die mindestens schon zwölf Jahre alt sind und deren Ablauf kurz nach der Währungsumstellung datiert.In jedem Fall muß dies genau durchgerechnet werden, denn die Zeitverkürzung beeinflußt sowohl die Leistung für den Todes- wie auch für den Erlebensfall.Das gleiche gilt für Beitragsfreistellungen.Und bei Direktversicherungen gegen Gehaltsumwandlung ist sowieso nichts zu machen.Der Arbeitnehmer kann daran keine steuerunschädlichen Veränderungen vornehmen.Dem Kunden sind also weitgehend die Hände gebunden.Sein Geld liegt indes nicht in Händen von Spekulanten, sondern von Anlagefachleuten, die schon von Gesetzes wegen auf eine solide Mischung und Streuung getrimmt sind.Sie sind im übrigen schon einiges gewöhnt.Schließlich hat die Branche zum Ende 1994 einen Vorgeschmack auf den Ernstfall erlebt, als sie wegen des unerwarteten Zinsanstiegs in großem Stil auf ihre Anleihen abschreiben mußte.Daraus sind jedoch längst stille Reserven geworden; Im Großen und Ganzen erlaubt die konservative Anlagepolitik der Assekuranz also eine relativ störungsfreie Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen.Zudem ist die Mindestverzinsung von 4 Prozent gesetzlich garantiert, daran vermag auch eine Währungsumstellung nichts zu ändern.Desweiteren ist garantiert, daß die Überschüsse weitestgehend den Kunden zustehen.Dafür müssen natürlich welche anfallen.Doch die Vergangenheit hat gezeigt, daß die Lebensversicherer durchaus willens und in der Lage sind, in turbulenten Phasen zuzubuttern, um die Überschußbeteiligung ihrer Kunden relativ stabil zu halten. Außerdem können sie durch gezieltes Umschichten der Anlagebestände gegensteuern.So ist der - zugegeben immer noch bescheidene - Anteil an Aktien- und Investmentanteilen kontinuierlich ausgebaut worden.Die Versicherer wollen den Euro übrigens.Sie versprechen sich davon einen größeren und lukrativeren Kapitalmarkt.So ist durchaus mit höheren Renditechancen zu rechnen, sollte es letztlich zu einer echten Stabilitätsgemeinschaft kommen.Das ist das A und O der Umstellung aus dem Blickwinkel der Assekuranz.Nicht die kurzfristige Zinssteigerung ist das Problem.Der größte Feind der Lebensversicherung ist die nachhaltige Beschleunigung der Inflation.Doch darüber läßt sich heute bloß spekulieren.Wer noch vor der Überlegung steht, ob er jetzt eine Lebensversicherung abschließen soll, die über das Datum der Euroeinführung hinausgeht, der hat die Qual der Wahl.Erstens bieten Banken und Investmentgesellschaften eine Alternative, die sich mit einer Risikoversicherung komplettieren ließe.Diese reinen Todesfallversicherungen sind wegen des fehlenden Sparprozesses nicht so anfällig.Zweitens besteht die Wahl zwischen DM- oder Fremdwährungspolicen.Doch bei Abschluß in Währungen außerhalb des Euroblocks ist einiges zu bedenken.Beispielsweise liegt das Zinsniveau in der Schweiz um rund 2,5 Prozentpunkte unter dem deutschen.Um diese Minderverzinsung im Laufe von 30 Jahren aufzuholen, müßte sich der Wert des Franken mehr als verdoppeln, was recht unrealistisch ist.Eine Police in fremder Währung bleibt also spekulativ.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar