Finanzsenator : IBB-Chef Puchta kritisiert Sarrazin

Der scheidende Chef der landeseigenen Investitionsbank Berlin, Dieter Puchta, hat erstmals öffentlich über die Gründe für seinen Ausstieg gesprochen und dabei Finanzsenator Thilo Sarrazin scharf angegriffen.

Berlin - Der scheidende Chef der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB), Dieter Puchta, hat erstmals öffentlich über die Gründe für seinen Ausstieg gesprochen und dabei Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) scharf angegriffen. „Es kommt nicht nur auf das Geld an, sondern auch auf die Wertschätzung. Und da haben die Mitarbeiter und wir im Vorstand schon eine gewisse Geringschätzung vonseiten des Finanzsenators gespürt“, sagte Puchta dem Tagesspiegel. So habe Sarrazin in den vergangenen fünf Jahren nie an einer Verwaltungsratssitzung der IBB teilgenommen.

Puchtas Vertrag als IBB-Chef läuft Ende August aus. Ende März hatte der Banker und frühere SPD-Politiker bekannt gegeben, nicht mehr für eine Verlängerung zur Verfügung zu stehen. Dies habe für ihn bereits seit längerer Zeit festgestanden, hatte Puchta damals gesagt.

Ein weiterer Grund für seinen Rückzug liegt dabei offenbar auch in der Nachfolgersuche für das bereits Ende März ausgeschiedene zweite Vorstandsmitglied Birgit Roos. Seiner Meinung nach sei für Roos’ Nachfolge nur eine hochqualifizierte Frau infrage gekommen, wenn man keinen Rückschritt in den Gleichstellungsbemühungen der Bank machen wolle. „Das war für mich eine absolute Bedingung“ sagte Puchta. „Wie sich die Dinge abgezeichnet haben, sehen das aber nicht alle so.“ Mit der Nachfolgersuche sind vor allem der Chef des IBB-Verwaltungsrats, Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke), und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betraut.

Zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit als IBB-Chef zieht Puchta eine positive Bilanz. Die Bank habe sowohl ihre Förderleistungen als auch ihren operativen Gewinn stetig gesteigert, sagte Puchta. Der strukturelle Wandel der IBB, der mit einem Personalabbau um 25 Prozent verbunden gewesen sei, sei auch von den Mitarbeitern mitgetragen worden. „Die IBB ist strukturell, personell und strategisch so gut aufgestellt, dass es in den nächsten Jahren nur aufwärts gehen kann“, sagte Puchta. Er erwartet auch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise keinen Einbruch. Im Gegenteil: „Die Nachfrage nach unseren Produkten steigt. Wenn nichts Gravierendes passiert, werden wir auch 2009 wieder besser abschneiden als geplant.“ stek

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