Wirtschaft : Finanzspritze für Handwerker

FRIEDERIKE STORZ

BERLIN .Bis eine Rechnung bezahlt wird, vergehen in Deutschland durchschnittlich 60 bis 90 Tage.Gerade kleineren Betrieben geht dadurch viel Liquidität verloren.Eine Möglichkeit für sie, schneller an ihr Geld zu kommen, ist "Factoring".Dabei wird die Forderung an eine Finanzierungsgesellschaft verkauft, die das Geld zunächst vorschießt und den Rechnungsbetrag dann später selbst beim Schuldner eintreibt.Bisher war das Konzept nur für Unternehmen mit rein gewerblichen Kunden - und wiederkehrenden Geschäftsvorgängen - interessant.Ein neuer Anbieter richtet sich nun auch an Unternehmen mit gemischtem Kundenstamm: Die Hagener Beratungsgesellschaft CID Uppenbrink & Partner GmbH entwickelte zusammen mit der Factoringgesellschaft Allgemeine Vermögensverwaltungs AG (AVV) ein Produkt, wonach auch Handwerksunternehmen und kleinere Betriebe Factoring einsetzen können.

Die Gesellschaft zahlt bei Eingang der Forderung 80 Prozent, die restlichen 20 Prozent bekommt das Unternehmen, wenn der Anschlußkunde die Rechnung ganz beglichen hat.Für diesen Service nimmt sie eine Gebühr in Höhe von 0,8 bis 1,2 Prozent der Rechnungssumme und zudem einen Risikozuschlag von durchschnittlich 8,75 Prozent.Darin eingeschlossen ist eine Kreditversicherung, falls der Kunde nicht zahlen kann.Durch den Rechnungsvorschuß kann das Unternehmen seinen Kunden insgesamt bessere Zahlungsziele einräumen und damit seinen Absatz ausweiten, so die Idee.

Das Angebot der Hagener richtet sich an Unternehmen mit 30 bis 100 Beschäftigten und einer Umsatzgröße von einer Mill.DM, definiert Thomas Uppenbrink, Geschäftsführer und Partner der CID Uppenbrink, seine Zielgruppe.Man wolle so auch "kleineren und mittleren Unternehmen eine Chance geben", erklärt Uppenbrink, im Gegensatz zu anderen Anbietern von Factoring, die die Annahme einer Forderung an einen Mindestumsatz von drei Mill.DM knüpfen.

Uppenbrink denkt dabei an Unternehmen aus dem Bauhaupt- oder Baunebengewerbe, aber auch an kleinere Produktionsbetriebe - oder auch an Zahnärzte."Gerade für sie ist das Rechnungswesen ein Problem, da viele Patienten den Eigenanteil beim Zahnersatz oft nicht auf einmal bezahlen können", erklärt Uppenbrink.Seiner Meinung nach lohnt sich Factoring besonders für Betriebe in den neuen Bundesländern."Die Firmen haben meist keine Sicherheiten", so Uppenbrink, "und die Banken sind bei der Vergabe von Krediten sehr restriktiv".

Das Unternehmen bearbeitet jährlich bereits 200 bis 300 Fälle.Es übernimmt dabei die Vorprüfung und "bringt auch die Buchhaltung auf Vordermann", so Uppenbrink.Denn die Factoringgesellschaften erwarten eine lückenlose Vorlage der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und Bilanzen.Aus diesem Grund gingen die Hagener auch die Partnerschaft mit der AVV ein.Das Institut sitzt im Moment noch in Liechtenstein, kommt aber demnächst nach Düsseldorf.

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