Wirtschaft : Finanzvorstand Klee tritt zurück; auch der Vorstandschef Binder gerät zunehmendunter Druck

ro

Einen Tag nach der dramatischen Rettungsaktion für den Baukonzern Philipp Holzmann ist der Finanzvorstand des Unternehmens, Rainer Klee, zurückgetreten. Klee scheide "mit sofortiger Wirkung" aus seinem Amt, teilte das Unternehmen am Freitag in Frankfurt am Main mit. Ein Nachfolger für den 52-Jährigen sei noch nicht bestimmt.

Klee war in die Kritik geraten, weil er nur einen Tag vor Bekanntwerden des Milliardenlochs bei Holzmann noch einen 50-Millionen-Kredit bei der Commerzbank abgerufen hatte. Das Institut hatte daraufhin angekündigt, eine Strafanzeige zu prüfen. Klee war dienstältestes Mitglied im Vorstand des Bauunternehmens, das am Mittwoch durch das Eingreifen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor dem Aus gerettet wurde. Dem Finanzvorstand wird auch das Projekt Köln-Arena angelastet, das wesentlichen Anteil an den vor zwei Wochen aufgedeckten Verlusten in Höhe von 2,4 Milliarden Mark hatte. Bei den Banken verliere auch Vorstandschef Heinrich Binder an Vertrauen, hieß es am Freitag bei den Gläubigerbanken.

Wie von Bankern zu hören ist, haben die Commerzbank-Vertreter am Mittwochabend in der Runde mit Bundeskanzler Gerhard Schröder auf das ihrer Ansicht nach noch fehlende schlüssige Sanierungskonzept hingewiesen. Darauf habe Schröder gesagt, nach seinen Informationen liege ein Konzept vor. Ein Vertreter der Unternehmensberatung Roland Berger, die Anfang November vom Aufsichtsrat eingeschaltet worden war, habe jedoch darauf hingewiesen, dass es vermutlich noch bis Mitte oder Ende Januar dauern werde, bis ein detaillierter Plan auf dem Tisch liege. Allerdings, so hieß es gestern in Frankfurt, sei das von Holzmann-Chef Heinrich Binder vorgelegte Grundgerüst des Sanierungskonzeptes mehrfach von Berger geprüft und für gut befunden worden. Wenn die Commerzbank nicht dahinter stehe, meinte ein Insider, "dann hätte sie das Rettungspaket für Holzmann nicht mittragen dürfen".

Noch nicht in trocknen Tüchern ist auch die Absicht des Holzmann-Betriebsrates, Löhne und Gehälter für die Zeit der Sanierung um sechs Prozent zu kürzen und die Arbeitszeit von 39 auf 43 Stunden zu erhöhen. IG Bau-Vorsitzender Klaus Wiesehügel, der sich am Mittwochabend vor der Holzmann-Zentrale noch gemeinsam mit Schröder feiern ließ, meldete am Freitag Bedenken an. Bei Holzmann müsse man noch einen rechtlich unbedenklichen Weg finden. Im Gegensatz zur Metallbranche gibt es in der Baubranche keine Öffnungsklauseln. Auch in der Bauindustrie befürchtet man, dass Holzmann aufgrund der dann niedrigen Kosten anderen Unternehmen Aufträge wegschnappen könnte.

Unterdessen ging der Streit über die staatliche Intervention zur Rettung des Bauriesen weiter. Insbesondere Interessenverbände wie der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Bundesverband Junger Unternehmer (BJU) kritisierten das Eingreifen als eklatante Wettbewerbsverzerrung. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach warf Schröder vor, einen Präzedenzfall geschaffen zu haben, "der auf Dauer ohne weitere Erhöhung der Steuer- und Abgabenlast nicht finanzierbar" sei. Politiker der Koalition wie Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) und der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Rezzo Schlauch, verteidigten dagegen das Vorgehen des Bundeskanzlers. Schröder habe soziale Verantwortung in der Politik wahrgenommen.

Riester betonte, dass sich die Politik dann in das Wirtschaftsgeschehen einschalten dürfe, wenn bei "überzeugenden Konzepten die Wirtschaft selbst nicht zurande kommt". Bei Holzmann sei es immerhin um die Existenz Zehntausender Menschen gegangen. Schlauch betonte jedoch, dass die Holzmann-Rettung kein Vorbild für andere Unternehmen in Schieflage sei. Die Situation bei Holzmann sei "außergewöhnlich und mit anderen Fällen nicht vergleichbar", sagte Schlauch der Tageszeitung "B.Z.". Der Haushaltsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Oswald Metzger, betonte, ein Berufungsfall für andere Unternehmen sei das Eingreifen der Regierung "mit Sicherheit nicht".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben