Wirtschaft : Finanzwelt rechnet mit kräftigem Aufschwung

ZEW-Konjunkturindikator steigt auf Zweijahreshoch / Minister Glos erwartet ein „gutes Jahr“

Carsten Brönstrup

Berlin - Finanzmarktexperten sind für die Zukunft der deutschen Wirtschaft so optimistisch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim erstellte Index für die Konjunkturerwartungen stieg im Januar deutlich um 9,4 auf 71 Punkte, erklärte das Institut am Dienstag. Damit liegt er doppelt so hoch wie im historischen Schnitt. Dennoch sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Abschwächung der Konjunktur – im vierten Quartal sei die Wirtschaftsleistung nur um 0,4 Prozent gewachsen, schätzte das Institut.

An der Börse reagierten die Kurse kaum auf die guten Nachrichten. Der ZEW-Index wird durch eine Umfrage unter 303 Finanzmarktprofis ermittelt. Auch die aktuelle Lage des Landes bewerteten sie günstiger als noch vor einem Monat. „Für das Jahr 2006 hellen sich die Perspektiven deutlich auf“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Vor allem die positive Auftragslage der Industrie dank der starken Auslandsnachfrage und eine leichte Beschleunigung der Investitionen im Inland hätten die Konjunkturzuversicht gestärkt. Nun komme es darauf an, dass die Wirtschafts- und die Lohnpolitik diesen Erwartungen gerecht würden. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gab sich zuversichtlich, dass „2006 ein gutes Jahr wird für die deutsche Wirtschaft“.

Banken-Experten begrüßten den Optimismus, mahnten aber auch zur Vorsicht. „In der allgemeinen Euphorie sollte man aber nicht vergessen, dass es auch Risiken gibt“, sagte Ralph Solveen, Leiter der Volkswirtschaft bei der Commerzbank. So stieg etwa der Ölpreis in den vergangenen Wochen wieder. Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank sagte, der ZEW-Index habe in den vergangenen vier Jahren, ohnehin guter Stimmung, zu Übertreibungen geneigt. Derzeit signalisiere der Index ein BIP-Wachstum von 2,1 Prozent – so stark werde das Plus aber nicht ausfallen.

Gleichwohl setzt sich nach Ansicht des DIW die Erholung fort. Zwar habe sich das Wachstum von 0,6 Prozent im Sommer verlangsamt. Allerdings habe die Inlandsnachfrage erneut zugenommen. Am Donnerstag wird das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung für das Wachstum im Gesamtjahr 2005 bekannt geben. Fachleute erwarten eine Rate von einem knappen Prozent.

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