Finanzwissenschaftler Homburg : "Der Euro hat keine Zukunft"

11.05.2010 02:00 Uhr
Stefan Homburg Foto: dpa
Stefan Homburg - Foto: dpa

Wenn es hart auf hart kommt, ist die EZB nicht unabhängig, sagt Finanzprofessor Stefan Homburg von der Uni Hannover im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Das Ende des Euro hält er für ein wahrscheinliches Szenario.

Herr Homburg, sehen wir den Anfang vom Ende des Euro?

Noch nicht. Kurzfristig mag das EU-Rettungspaket den Euro stabilisieren. Über den Tag hinaus sind die Glaubwürdigkeit der EZB und die Reputation des Euro aber komplett dahin. Die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich. In den neunziger Jahren wurde den Bürgern versprochen, der Euro sei stabil wie die Mark – eine Lüge, wie sich jetzt zeigt.

Warum?

Theoretisch könnte die Währung zwar auch bei hohen Transferzahlungen an andere Länder stabil bleiben. Jetzt aber nimmt man die EZB in Haftung für die finanziellen Probleme einiger Staaten.

Die Notenbank ist also abhängig, wenn es hart auf hart kommt. Sie muss Anleihen überschuldeter Staaten kaufen und diese Staaten verdeckt alimentieren. Das hatte ich vor über zehn Jahren vorhergesagt.

Steigen nun die Preise?

Wenn die EZB Staatsanleihen kauft, schöpft sie Geld. Zur Inflation führt das nicht zwangsläufig, sofern die EZB im Gegenzug die Geldmenge reduziert, etwa durch höhere Zinsen. Danach sieht es aber nicht aus. Eher wird das Ziel einer Inflationsrate von höchstens zwei Prozent früher oder später verfehlt werden. Für Anleger wird daher sogar der Kauf langfristiger Staatsanleihen gefährlich.

Haben Klagen eine Chance?

Das Bundesverfassungsgericht hat den Antrag einiger Kollegen gegen die Rettung Griechenlands binnen 24 Stunden abgelehnt. Ich vermute, Karlsruhe scheut davor zurück, den Euro in die Luft zu jagen. Täte das Gericht es dennoch, könnten wir die D-Mark wieder einführen.

Wie wahrscheinlich ist das?

Dem Vernehmen nach hält die Bundesbank bis heute ausreichende D-Mark-Mengen vorrätig. Technisch wäre eine Rückkehr zur Mark also möglich. Politisch ist das aber erst denkbar, wenn sich eine Partei findet, die für den Euro-Ausstieg wirbt. Ob wünschenswert oder nicht – die desaströsen Beschlüsse vom Wochenende haben ein solches Szenario wahrscheinlicher gemacht. Ich gebe dem Euro keine Zukunft mehr.

Stefan Homburg, Jahrgang 1961, ist Professor für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover. Außerdem arbeitet er als Steuerberater. Mit ihm sprach

Carsten Brönstrup.

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