Wirtschaft : "Finger weg von Asienpapieren"

Martin Posth (Foto: teuto press) ist Asienexperte bei der Unternehmensberatung Arthur D.Little in Berlin und Hongkong.Bis 1997 war er Asienvorstand der Wolfsburger Volkswagen AG mit Sitz in Hongkong.Mit Posth sprach Ursula Weidenfeld.

TAGESSPIEGEL: Herr Posth, Japans Börse bricht zusammen, die Währung verliert rapide an Wert und das Land kommt aus der Rezession nicht heraus.Was heißt das für deutsche Anleger?

POSTH: Japan steht für zwei Drittel des asiatisch-pazifischen Bruttoinlandsproduktes.Das ist etwas anderes, als wenn die Wirtschaft in Indonesien oder Korea zusammenbricht.Wenn die japanische Wirtschaft fällt, dann ist die ganze Welt betroffen.

TAGESSPIEGEL: Wie?

POSTH: Ich rechne damit, daß nun die längst fälligen deutlichen Korrekturen an den internationalen Börsen stattfinden.

TAGESSPIEGEL: Befürchten Sie einen Crash?

POSTH: Wenn man sich anguckt, wie wenig Japan gegen den Verfall seiner Währung und zur Gesundung seiner Wirtschaft tut, kann einem schon angst und bange werden.Wenn man nicht auf die langfristige Entwicklung seiner Aktien setzt, sollte man jetzt überlegen, die Gewinne der vergangenen Monate zu realisieren.

TAGESSPIEGEL: Wird der zweite Teil der Asienkrise schlimmer als das, was wir bisher erlebt haben?

POSTH: Jetzt konzentriert sich alles auf die Frage, ob von Japan eine deflationäre Entwicklung auf die Region übergreift und ob China seine Währung verteidigen kann.Die Chinesen werden den Yüan zwar auf Biegen und Brechen stabil halten, um ihre Verantwortung für die Region zu demonstrieren.Wenn das nicht gelingt, haben wir bisher nur ein bescheidenes Vorgeplänkel erlebt.

TAGESSPIEGEL: Haben denn Korea und Indonesien das Schlimmste hinter sich?

POSTH: Solange Japan tatenlos zusieht, wie der Yen verfällt, trifft das die Tigerländer besonders: weil sich deren Exportchancen von Tag zu Tag verschlechtern.Auf der anderen Seite aber sehen wir in Korea, daß dort ausländische Investoren einsteigen und die Wirtschaft wieder auf Touren bringen.

TAGESSPIEGEL: Ihr Rat an den Anleger?

POSTH: Finger weg von Asienpapieren.Wer drin ist, der braucht einen langen Atem.

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