Wirtschaft : Finnische Freunde

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STARKE KONTROLLE

Mit dreimonatiger Verzögerung ist das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) am Sonntag gestartet. Angesichts der Schmiergeld-Affäre bei Siemens hatte Nokia das Projekt verschoben. Die Telekommunikationssparte Com, deren Großteil in das Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia einfließt, steht im Mittelpunkt der Untersuchungen der Staatsanwaltschaft. Über Jahre hinweg sollen Com-Manager mit Hilfe von Schmiergeldern lukrative Auslandsaufträge an Land gezogen haben. Nokia, bekannt für eine klare Anti-Korruptionspolitik, zieht die Zügel nun straff: Bei NSN soll es ein umfassendes Kontrollprogramm geben. Geschäfte mit Regierungen, Behörden und Beratern im Vertrieb müssen ein strenges internes Genehmigungsverfahren durchlaufen. Zudem musste Siemens Nokia zusichern, alle Belastungen, die aus der Affäre nachträglich noch entstehen könnten, zu tragen.

UNKLARE STRATEGIE

„Die ethischen Standards sind schon klarer umrissen als das Geschäftsmodell“, unkt ein Beschäftigter der Com-Sparte. Tatsächlich hat sich der designierte NSN-Vorstandschef Simon Beresford-Wylie bislang mit konkreten Aussagen über das Produkt-Portfolio zurückgehalten. Fest steht nur, dass es sechs Geschäftsbereiche geben wird, von denen vier in Deutschland angesiedelt sein sollen. Weltweit hat NSN eigenen Angaben zufolge rund 600 Kunden, wobei vor allem die Marktposition in Europa und Asien stark ist.

DAS ZIEL

NSN, beim Start mit einem Umsatz von rund 16 Milliarden Euro und 60 000 Mitarbeitern weltweit drittgrößter Ausrüster für die Infrastruktur von Telefon- und Internetfirmen, will seine Konkurrenten Alcatel-Lucent und Ericsson-Marconi bald überholen. Auch Analysten bescheinigen dem neuen Telekom-Ausrüster gute Marktchancen. „Ich glaube, dass NSN schon im nächsten Jahr Profit machen wird“, sagte Analyst Roland Pitz von der HypoVereinsbank. Unter Siemens hatte die Com-Sparte in den letzten Quartalen hohe Verluste angehäuft. Die Firmenzentrale soll ihren Sitz in Helsinki haben.

STELLENABBAU

Das NSN-Management hat schon mitgeteilt, in den nächsten vier Jahren 1,5 Milliarden Euro einsparen zu wollen. Im Zuge der Restrukturierung sollen bis zu 9000 der 60 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. NSN-Gesamtbetriebsratschef Georg Nassauer sagte dem Tagesspiegel, man könne noch nicht abschätzen, wie viele Stellen in Deutschland betroffen seien. Er hoffe aber, dass sich ein Großteil des Abbaus über natürliche Fluktuation abfangen lasse. Der Berliner Siemens-Chef Gerd von Brandenstein hatte in dieser Woche gesagt, die Berliner Belegschaft mit rund 2000 NSN-Mitarbeitern sei von dem Jobabbau voraussichtlich kaum betroffen. nic

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