Wirtschaft : Finnland überrascht

-

Hat Finnland die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt? Eine vom World Economic Forum (WEF) veröffentlichte Studie listet 102 Länder im Hinblick auf ihre Wettbewerbsorientiertheit auf. Das erstaunliche Ergebnis: Finnland belegt Platz Eins, und alle skandinavischen Länder rangieren unter den Top Ten. Finnland hat ohne Zweifel viele Vorzüge wie etwa gut ausgebildete Arbeitskräfte, einen äußerst dynamischen HighTech-Sektor und einen aktiven Außenhandel, der Jahrhunderte zurückreicht.

Doch die Skandinavier tragen weltweit auch die höchste Steuerlast. Der Anteil an Staatsausgaben am finnischen Bruttosozialprodukt ist zwar von 47 Prozent im Jahr 2001 gesunken, hielt sich in 2002 jedoch (beständig) bei ungesunden 45 Prozent. Und das ist im Vergleich zu den Nachbarländern niedrig: Schwedens Ausgaben im Staatssektor belaufen sich auf 53 Prozent des BSP, in Dänemark sind es 51 Prozent. Alle diese Länder sind dieses Jahr in der WEF-Rangliste gestiegen, weil das WEF beschlossen hat, Staatsausgaben nicht länger zu berücksichtigen. Stattdessen werden Faktoren wie Vergeudung öffentlicher Mittel und Vertrauen in öffentliche Institutionen einbezogen. Skandinaviens Staatssektor ist zugegebenermaßen effizient, doch er ist auch gewaltig. Und diese Größe spielt sehr wohl eine Rolle. Nicht zuletzt weil Steuern erhoben werden müssen, um alle Ausgaben zu bezahlen. Und wie ein kürzlich von der Federal Reserve Bank Minneapolis veröffentlichter Bericht ergab, sind hohe Steuern mit weniger Arbeit und insgesamt geringerem Ertrag gleichzusetzen.

Paradoxerweise betont die WEF-Studie über Wirtschaftsmanager genau diesen Punkt. Die „Steuersätze“ gelten als Problem Nummer Eins bei den Unternehmungen in Dänemark, Schweden und Finnland. Und da die Befragten ihre wesentlichen Kritikpunkte obendrein gewichten konnten, verdeutlichen die Ergebnisse, dass sie die Steuerlast als das wirklich gravierendste Problem erachten. Das WEF weist darauf hin, dass es absurd sei anzunehmen, null Staatsausgaben wäre der Optimalfall. Doch es ist gleichermaßen absurd anzunehmen, dass der Gesamtumfang der Staatsausgaben keine Rolle spielen würde. So sehen das jedenfalls die Führungskräfte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben