• Firmen misstrauen dem Aufschwung Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai wieder leicht gesunken/Teures Öl treibt Preise auf Rekordstand

Wirtschaft : Firmen misstrauen dem Aufschwung Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai wieder leicht gesunken/Teures Öl treibt Preise auf Rekordstand

Bernd Hops/Maren Peters

Berlin - Die Unternehmer in Deutschland glauben noch nicht an den Aufschwung. Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich im Mai – nach einem Anstieg im Vormonat – wieder leicht verschlechtert, wie der aktuelle Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) zeigt. Der Index ging von 96,3 im Vormonat auf 96,1 Punkte zurück, teilte das Institut am Dienstag mit. Trotzdem ist Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zuversichtlich, dass sich der moderate Aufschwung in der deutschen Wirtschaft in den nächsten Monaten fortsetzt. Im ersten Quartal zumindest zog die Wirtschaft leicht an: Das Statistische Bundesamt meldete einen realen Anstieg der Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,4 Prozent. Hauptwachstumsmotor waren die boomenden Exporte. Die Inlandsnachfrage bleibt dagegen schwach.

Konjunkturexperten nehmen den Ifo-Geschäftsklimaindex sehr ernst. Er ist einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Wirtschaft. Einmal im Monat fragt das Ifo-Institut rund 7000 Unternehmer, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Aussichten für die nächsten sechs Monate beurteilen.

Im Mai beurteilten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas schlechter als im Vormonat, blickten dafür aber etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Während in den neuen Bundesländern das Stimmungsbarometer sank, stieg es in Westdeutschland etwas an.

Das Ergebnis ist zwar ernüchternd, war von Analysten aber erwartet worden. Die Finanzmärkte ignorierten den Geschäftsklimaindex daher weitgehend. Der Dax, der am Vortag noch über die Marke von 3900 Punkten geklettert war, verlor zwar bis zum Börsenschluss 1,03 Prozent auf 3828,07 Punkte. Marktbeobachter begründeten das aber vor allem mit der Sorge um die konjunkturellen Folgen der hohen Ölpreise. Unter zusätzlichen Druck gerieten die Kurse auch durch enttäuschende US-Daten. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaft ihres Landes nahm im Mai zwar leicht zu, allerdings nicht so stark, wie zuvor von Analysten prognostiziert.

Für Deutschland rechnet Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) weiter mit einer Belebung der Wirtschaft. „Es ist richtig, weiter von einer konjunkturellen Besserung auszugehen“, sagte Clement mit Blick auf den Ifo-Index. Kaum Besserung spüren dagegen die deutschen Mittelständler. Am Dienstag legte die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand, in der eine Reihe von Verbänden vom Handel über Gastronomie bis Handwerk, die Sparkassen und Genossenschaftsbanken zusammenarbeiten, ihren Jahresbericht für 2004 vor. Darin wird die Politik aufgefordert, die Reformen weiterzutreiben. Vor allem die hohe Steuerlast und die zu umfangreiche Bürokratie hemmten die Mittelständler. Die Arbeitsgemeinschaft veröffentlichte am Dienstag zum ersten Mal einen Mittelstandsindikator. Danach ist die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage wieder schlechter geworden.

Den Konjunkturexperten treiben derzeit vor allem die hohen Ölpreise Sorgenfalten auf die Stirn. Die Preisexplosion bei Rohöl hat die Inflation in Deutschland im Mai auf den höchsten Stand seit der Euro-Bargeldeinführung im Januar 2002 getrieben. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kletterten die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Heizöl kostete je nach Bundesland bis zu 21 Prozent mehr als vor einem Jahr, die Kraftstoffe verteuerten sich um gut zwölf Prozent.

Preistreibend wirkten zudem die Gesundheitsreform und die Tabaksteuer-Erhöhung. In allen anderen Warengruppen blieben die Verbraucherpreise auch wegen der schwachen Binnenkonjunktur recht stabil. Banken-Analysten sahen daher für die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit keinen Anlass, die Zinsen anzuheben.

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