Wirtschaft : Firmen ordern neue Züge für Milliarden Bahn-Messe Innotrans

in Berlin eröffnet

Berlin - Mit Milliardenaufträgen für Züge und Lokomotiven ist die Bahnmesse Innotrans am Dienstag in Berlin gestartet. Die Deutsche Bahn kündigte an, für 250 Millionen Euro 130 Diesel-Lokomotiven beim Kieler Hersteller Voith Turbo zu bestellen. Der kanadische Verkehrskonzern Bombardier stellte erstmals seinen Regionalverkehrszug „Talent 2“ vor, von dem die Bahn 321 Stück für 1,2 Milliarden Euro geordert hat. Er wird auch in Hennigsdorf bei Berlin gefertigt. Siemens zeigte zudem erstmals den Hochgeschwindigkeitszug „Velaro RUS“, der für die russische Bahn ab Ende 2009 zwischen Moskau und Sankt Petersburg mit Tempo 250 verkehren soll. Er basiert auf dem ICE3. Für Siemens bedeutet die Lieferung von acht Zügen einen Umsatz von 276 Millionen Euro.

Beim Thema Hochgeschwindigkeit erhoffen sich die Hersteller in den kommenden Jahren angesichts der Klimaschutzdebatte enorme Zuwächse. Beim französischen Bahnproduzenten Alstom etwa kommen bislang zehn Prozent des Geschäfts von den Schnellzügen. „Diesen Anteil will ich mindestens verdoppeln“, sagte Vorstandschef Philippe Mellier. Er erwartet für die kommenden Jahre neben bekannten Anbietern wie der Deutschen Bahn oder der französischen SNCF eine Reihe neuer Firmen auf den europäischen Hochgeschwindigkeitsstrecken. So hat die französische Fluggesellschaft Air France angekündigt, in dieses Geschäft einzusteigen. „Der Markt boomt“, sagte Mellier. Von Aufträgen, etwa für den TGV-Nachfolger AGV, werde auch das Werk Salzgitter profitieren.

Die Innotrans findet alle zwei Jahre statt und gilt als wichtigster Bahn-Branchentreff. „Die Innotrans steht nun im Reigen der großen Berliner Messen mit der Internationalen Tourismusbörse und der Internationalen Funkausstellung“, sagte Raimund Hosch, Geschäftsführer der Messe Berlin, bei der Eröffnung. Er erwartet mit 70 000 Besuchern einen Rekord. 1912 Aussteller aus 41 Ländern präsentieren ihre Produkte, so viele wie noch nie. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sagte, die Bereiche Schiene und Logistik gehörten zu den wichtigsten Feldern der Berliner Politik. „Hier gab es in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten.“

Streit gab es zwischen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Während Tiefensee befand, das Steuer- und Abgabensystem behandele die Verkehrsträger Schiene, Straße und Schiff gleich, beklagte Mehdorn eine Übervorteilung für sein Unternehmen. „Wenn man uns die Ökosteuer erlassen würde, würden wir die Fahrpreise entsprechend senken“, versprach er. Die Bahn zahlt nach eigenen Angaben knapp 200 Millionen Euro im Jahr für Ökosteuer. brö

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