Wirtschaft : Firmen planen für den Aufschwung

Das Geschäftsklima bessert sich – eine Rezession wird unwahrscheinlicher.

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Berlin - Deutschlands Manager blicken trotz der schwelenden Euro-Krise optimistisch in die Zukunft. Ihre Stimmung besserte sich im Januar zum dritten Mal in Folge, wie aus der neuen Umfrage zum Ifo-Geschäftsklima hervorgeht, dem wichtigsten Frühindikator für die deutsche Konjunktur. „Die Wirtschaft startet mit Elan ins neue Jahr“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Mittwoch.

Der Index kletterte um einen Punkt auf 108,3 Zähler, das war der höchste Stand seit August 2011. Die etwa 7000 befragten Geschäftsleute rechnen vor allem im anstehenden Halbjahr mit mehr Umsatz und Gewinn, hier stieg der Index stark von 98,6 auf 100,9 Punkte. Eine Rezession, also ein Rückgang der Wirtschaftsaktivität in zwei Quartalen in Folge, wird damit unwahrscheinlicher. Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember leicht um 0,25 Prozent geschrumpft. Ein weiteres Minus-Vierteljahr wird es nun wohl nicht geben, hofft Andreas Rees von der Großbank Unicredit. Die Ifo-Zahlen markierten einen Wendepunkt im Konjunkturzyklus. „Die Erfahrung zeigt, dass das Wachstum ungefähr drei Monate nach einem solchen Wendepunkt anspringt“, erklärte er.

Zuversichtlicher zeigten sich vor allem Firmen aus der Industrie. Die Branche schätze ihre Perspektiven deutlich günstiger ein als noch im Dezember, sagte Sinn. Auch die Baubranche geht von guten Geschäften aus. Allein der Handel sieht Probleme auf sich zukommen – sowohl die aktuelle Lage als auch ihre Aussichten beurteilten die befragten Manager skeptischer.

Die Wachstumsprognosen für das gesamte Jahr sind aber verhalten und bewegen sich zwischen minus 0,1 und plus 1,2 Prozent. Pessimismus hatte am Dienstag der Internationale Währungsfonds verbreitet, der nur noch 0,3 Prozent für die Bundesrepublik in diesem Jahr erwartet und angesichts der Schuldenkrise für den Euro-Raum eine Rezession befürchtet.

Offenbar greifen die Versuche, der Krise zu begegnen: Die Europäische Zentralbank hatte im Dezember ein Hilfspaket über 500 Milliarden Euro für die Banken aufgelegt und die Leitzinsen erneut gesenkt. Dies hatte für Erleichterung an den Finanzmärkten gesorgt, der deutsche Aktienindex Dax gewann in den vergangenen vier Wochen rund zehn Prozent. Hinzu kommen der gesunkene Euro-Kurs und die Erholung in Amerika. Ein Aufschwung im Frühjahr oder Sommer wird immer wahrscheinlicher“, sagte Unicredit-Mann Rees. Carsten Brönstrup

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