Wirtschaft : Firmen schaffen 2005 Exportrekord

Deutschland lässt USA und China hinter sich

Carsten Brönstrup

Deutschland lässt USA und China hinter sich Berlin - Die deutsche Wirtschaft hat sich im vergangenen Jahr vermutlich zum dritten Mal in Folge den Titel eines Exportweltmeisters gesichert. Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 786,1 Milliarden Euro ins Ausland und ließen damit sowohl die Vereinigten Staaten als auch das aufstrebende China hinter sich. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch auf der Basis vorläufiger Zahlen mit. In diesem Jahr dürfte die Ausfuhr wieder mit einer ähnlich hohen Rate wachsen, nehmen Wirtschaftsforscher an.

Außenhandelspräsident Anton Börner zeigte sich erfreut über die guten Daten: „Der Außenhandel war auch 2005 wieder das Aushängeschild der deutschen Volkswirtschaft“, sagte er. Der Export gilt seit Jahren als wichtigste Stütze der Wirtschaftsentwicklung hier zu Lande. Insgesamt legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2005 um 0,9 Prozent zu – allein 0,7 Prozent davon gingen auf das Konto des Exports. Er wächst bereits im zwölften Jahr ohne Unterbrechung.

Gegenüber dem Vorjahr kaufte das Ausland 7,5 Prozent mehr Waren ein. Die Einfuhr wuchs um 8,7 Prozent auf 625,6 Milliarden Euro. Die wichtigsten Handelspartner bleiben dabei die 25 Länder der Europäischen Union (EU) – sie kauften deutsche Produkte für 498,5 Milliarden Euro, das sind knapp zwei Drittel des Exports. Volkswirte machen die seit längerer Zeit günstige Entwicklung bei Löhnen und Preisen für den Erfolg der deutschen Unternehmen verantwortlich. „Aber auch der Euro-Wechselkurs entwickelte sich im Vergleich zum Dollar sehr günstig“, sagte Rolf Schneider, Leiter der Volkswirtschaft bei der Allianz, dieser Zeitung. Die beliebtesten Produkte kamen erneut aus den Branchen Auto, Chemie, Maschinen- sowie Anlagenbau. Dabei habe Deutschland seinen EU-Partnern Marktanteile abgenommen.

Die Bundesrepublik profitiere aber nicht nur vom wachsenden Handel, sondern auch von der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung zwischen den Unternehmen, sagte Schneider. Dies nütze den Unternehmen aber unter dem Strich und sichere die Arbeitsplätze hier zu Lande. „In diesem Jahr wird das auch dazu führen, dass der Stellenabbau zum Stillstand kommt“, prognostizierte Schneider.

Insgesamt sei auch 2006 wieder mit einem Exportwachstum in der Größenordnung von 7,5 Prozent zu rechnen. Die Bundesregierung ist etwas pessimistischer und geht nur von einem Zuwachs von 6,5 Prozent aus. In den letzten Monaten des vergangenen Jahres dürfte der Außenhandel die Gesamtwirtschaft aber kaum noch gestützt haben. Zwar beschleunigte sich die Ausfuhr, aber auch die Einfuhr legte stark zu. Für das gesamte Bruttoinlandsprodukt bedeutet dies Allianz-Experte Schneider zufolge, dass die Wachstumsrate im vierten Quartal nur wenig über der Nulllinie liegen dürfte.

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