Wirtschaft : Firmen schrauben ihre Erwartungen zurück - Lücke zum Westen wird größer

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In der ostdeutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung eingetrübt. "Die Wirtschaftslage wird zurzeit merklich verhaltener eingeschätzt als noch vor sechs Monaten, die Erwartungen für das kommende Jahr sind ähnlich skeptisch wie in der Frühjahrsumfrage", schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seiner aktuellen Herbstumfrage, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Das ernüchternde Fazit: Das Wirtschaftswachstum in den neuen Ländern wird laut IW im kommenden Jahr mit 2,3 Prozent erneut hinter dem Westen (2,7 Prozent) zurückbleiben, mit einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sei nicht zu rechnen.

Der Anteil der Unternehmen, die steigende Produktions- und Umsatzergebnisse meldeten, ist im Vergleich zum Vorjahr von 64 auf 43 Prozent gesunken, berichtet das Institut. Noch im Frühjahr lag der Anteil bei 50 Prozent. Die Beschäftigungslage habe sich nochmals verschlechtert, die Erträge seien "bei massivem Preisdruck" abwärts gerichtet, Investitionen würden zurückgefahren. Skeptisch sind auch die Erwartungen für das kommende Jahr. Zwar rechneten 52 Prozent der befragten Firmen - mehr als im Frühjahr - mit steigenden Umsätzen. Gleichzeitig sei aber auch der Anteil der Pessimisten von 19 auf 23 Prozent gestiegen.

Nach Ansicht des Instituts macht sich hier vor allem die strukturelle Schwachstelle der ostdeutschen Wirtschaft bemerkbar, der geringe Export. Mit rund 18 Prozent sei die Exportquote der ostdeutschen Industrie nur etwa halb so groß wie die westdeutsche. Zwar sei zu erwarten, dass der exportgetragene Aufschwung im Westen einen konjunkturellen Sog-Effekt im Osten auslösen werde. "Doch die negativen Struktureinflüsse der niedrigen Exportquote und der übergewichtigen Bauwirtschaft sind damit nicht aufzufangen."

Dementsprechend bleibe auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt schwierig. Die Zahl der Firmen, die Personal aufstocken wollen, ging seit Frühjahr zurück, der Anteil der Betriebe, die Stellen streichen wollen, stieg dagegen von 37 auf knapp 42 Prozent. Berlin schneidet dabei besonders schlecht ab. Hier, so das IW, hätten drei Viertel der befragten Firmen über Stellenabbaupläne berichtet, nur 15 Prozent wollen Personal einstellen.

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