Wirtschaft : Firmen sehen die Krise gelassen

Umfrage: Die meisten Branchen rechnen 2012 mit höheren Einnahmen – nur die Banken müssen kämpfen.

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Weit oben. Die Vorzeichen für 2012 sind nicht eben günstig. Einige Branchen, etwa die Luft- und Raumfahrtindustrie, rechnen dennoch mit besseren Geschäften. Foto: promo
Weit oben. Die Vorzeichen für 2012 sind nicht eben günstig. Einige Branchen, etwa die Luft- und Raumfahrtindustrie, rechnen...Foto: Astrium

Berlin - Die meisten Branchen der deutschen Wirtschaft rechnen für das kommende Jahr trotz der unsicheren Konjunkturlage mit höheren Einnahmen. Die Investitionen und die Zahl der Beschäftigten dürften hierzulande zumindest gleich bleiben, nur wenige Sparten gehen von einem Minus aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag vorgelegte Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 46 Verbänden. Trotz der Ungewissheit im Zuge der Schuldenkrise erwarteten viele Branchen ein gutes Jahr, sagte IW-Direktor Michael Hüther. „Von einem starken Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung ist daher derzeit nicht auszugehen.“

26 von 46 befragten Verbänden prognostizieren für ihre Mitglieder 2012 etwas höhere Umsätze und Produktionswerte als im noch laufenden Jahr. Weitere neun gehen von konstanten Zahlen aus. Nur die Eisen- und Stahlindustrie, die Mineralölbranche, das Gastgewerbe, der Finanzsektor sowie einige kleinere Branchen befürchten schlechtere Werte. Die recht stabile Zuversicht steht im Kontrast zu den zuletzt deutlich nach unten korrigierten Wachstumsprognosen vieler Wirtschaftsforscher. Einige, etwa das gewerkschaftsnahe IMK, warnen sogar vor einer leichten Rezession in Deutschland. Die meisten rechnen mit einer Wachstumsrate von etwa 0,5 Prozent – nach rund drei Prozent in diesem Jahr.

Allerdings geben 23 der befragten 46 Verbände an, die aktuelle Stimmung zum Jahreswechsel sei schlechter als noch Ende 2010. Bei den Investitionsplänen und der Beschäftigung rechnet die Mehrzahl – 29 und 31 Branchen – aber mit zumindest jeweils gleich bleibenden Werten. „Das Abflauen der Weltkonjunktur und die Ungewissheit bezüglich der Folgen der Schuldenkrise gehen auch an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorüber“, sagte Hüther dazu. Viele Firmen seien wegen der hohen Staatsschulden und der unklaren Euro-Zukunft stark verunsichert, die Perspektiven könnten sich daher noch eintrüben.

Nur sieben Verbände gaben an, dass in ihrem Bereich die Zahl der Jobs steigen dürfte. Darunter sind allerdings für die Bundesrepublik so wichtige wie der Maschinen- und Anlagenbau sowie Groß-, Außen- und Einzelhandel. Auch die Luft- und Raumfahrtfirmen gehören dazu. Die Autohersteller sehen dagegen keine weiteren Zuwächse, wollen aber auf dem Rekordniveau des Jahres 2011 bleiben. Mehr produzieren würden vor allem die Fabriken im Ausland, da weltweit die Marktanteile wüchsen und es einen Trend hin zu Premium-Fahrzeugen gebe, teilte der Branchenverband VDA dem IW mit.

Robust ist die Lage offenbar auch beim Handwerk, einer anderen für die Gesamtwirtschaft entscheidenden Branche. Bestenfalls sei sogar mit einem Umsatzplus von zwei Prozent zu rechnen – dank der stabilen Nachfrage von Firmenkunden und privaten Haushalten.

Zu den acht Verbänden, die mit einem Stellenabbau rechnen, gehören Versicherungen, Banken, Sparkassen und Landesbanken. Sie geben an, dass ihre Branche vor strukturellen Umbauten steht. Im Zuge der Finanzkrise müssen sie zum einen ihr Eigenkapital stärken, zum anderen Abschreibungen vornehmen.

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