Wirtschaft : Firmen sparen dank Merkel Milliarden

Stromkonzerne würden von längeren Atomlaufzeiten enorm profitieren

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Düsseldorf Die deutschen Energiekonzerne würden von einer Änderung des Atomkonsenses massiv profitieren. Da eine schwarz-gelbe Regierung die Laufzeiten der Atomkraftwerke laut Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) verlängern will, könnte etwa Eon nach Handelsblatt-Informationen mit den bereits abgeschriebenen Reaktoren einen Zusatzgewinn von 4,6 Milliarden Euro erzielen. Außerdem könnten die Konzerne in den kommenden Jahren auf Investitionen von acht Milliarden Euro verzichten. Blieben die Atommeiler länger am Netz, würden der Volkswirtschaft nach Einschätzung des Geschäftsführers des Verbands der Großkraftwerksbetreiber VGB, Karl Theis, sogar „bis 2020 etwa zehn Milliarden Euro Investitionen erspart“. Stattdessen könnten die Gelder in wachstums- und beschäftigungsfördernde Projekte investiert werden, sagte Theis.

Nach dem gültigen Atomkonsens, den die Energiebranche im Jahr 2001 mit der rot-grünen Bundesregierung ausgehandelt hat, bleiben Atomkraftwerke durchschnittlich nur 32 Jahre am Netz.

Der Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Trend Research, Dirk Briese, geht davon aus, dass sich bei einer Verlängerung der Laufzeiten von 32 auf 40 Jahre die bis 2020 notwendigen Investitionen um acht auf 27 Milliarden Euro verringern würden. Diese Zahl hat Briese durch Umfragen unter Kraftwerksfirmen ermittelt. Die Stromerzeuger haben für die nächsten Jahre Milliarden-Investitionen angekündigt, um Braun- und Steinkohlekraftwerke zu modernisieren oder neu zu bauen. Die mögliche Begünstigung der Stromwirtschaft weckt schon Begehrlichkeiten. „Die Strompreise für Industrie, Gewerbe und private Haushalte müssen bei verlängerten Laufzeiten der Kernkraftwerke sinken“, fordert Alfred Richmann vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft. Er vertritt große Industriekunden.

Der umweltpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Peter Paziorek, unterstützte derweil die Forderung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU), die großen Stromkonzerne müssten die Hälfte ihrer Sondergewinne in die weitere Entwicklung regenerativer Energien investieren. Die Union wolle den Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2010 von derzeit 9,5 auf 12,5 Prozent erhöhen. juf/mjh/HB

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