Wirtschaft : Firmen zunehmend skeptischer

ABB Berlin kein Einzelfall / Immer mehr Unternehmen fürchten um Asien-Aufträge

DÜSSELDORF (HB).So deutlich wie der internationale Elektrokonzern ABB hatte es noch niemand formuliert: Man könne die Augen nicht mehr davor verschließen, hieß es am Montag, daß in der asiatischen Krisenregion potentielle Aufträge wegbrechen, weil verstärkt Projekte auf Eis gelegt werden.Das für den Kraftwerksbauer ABB waêkelige, noch in Verhandlungen befindliche Auftragsvolumen beträgt nach Firmenangaben derzeit etwa 1 Mrd.DM.Darüber hinaus hat ABB die Sorge, daß weitere Projekte (wie Bakun in Malaysia) angesichts der Finanzkrise dieser Länder storniert werden. Klare Aussage auch beim Münchener Baukonzern Dyckerhoff & Widmann (Dywidag): Im vergangenen Vierteljahr hätten Projekte in einem Volumen von etwa 100 Mill.DM wegen Finanzierungsschwierigkeiten nicht realisiert werden können.Das führen die Münchener zwar nicht ausschließlich, aber zum großen Teil auf die herrschende Krise zurück.Die Essener Hochtief AG (Bauleistung 96: 12,2 Mrd.DM) ist über ihre australische Beteiligung, den größten Baukonzern des Landes Leightons Holding im asiatischen Raum vertreten.So baut sie in Malaysia einen Flughafen-Hangar und ist am Bau des Hongkonger Flughafens beteiligt."Im Moment sehen wir keine Gefahren", kommentiert eine Unternehmenssprecherin, "weil der größte Teil der Projekte auf Basis des Hongkong-Dollars, der an den US-Dollar gekoppelt ist, abgerechnet wird".Solange diese Koppelung noch funktioniere, gebe es keine Probleme. Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft (B+B) registriert derzeit trotz der sich verschärfenden Währungskrise in Südostasien keine Streêkung oder Zahlungsverzögerungen in laufenden Bauvorhaben in der Region.Die Schwierigkeiten in der Abwicklung des Hochstraßenprojektes Bang La in der thailändischen Hauptstadt Bangkok lägen im Bauablauf begründet, nicht aber in der wirtschaftlichen Lage des südostasiatischen Königreichs.Bang La hat zusammen mit anderen Großprojekten zu einem deutlich verminderten Nettogewinn 1997 des Konzerns geführt.B + B, mit einem Auslandsanteil von fast 48 Prozent (1996) der am stärksten internationalisierte deutsche Baukonzern, realisiert zur Zeit allein in Thailand ein Geschäftsvolumen von knapp 1,8 Mrd.DM. Der Siemens-Bereich Energieerzeugung (KWU) sieht im Gegensatz zum Konkurrenten ABB nach wie vor keine Beeinträchtigung laufender Projekte in Asien.Allerdings rechne man im Neugeschäft mit den Tigerstaaten durchaus mit einem "Herunterfahren" der Auftragsvergabe.Das dürfte zu einem Abschmelzen des derzeitigen Auftagsbestands von rund 2,4 Mrd.DM in dieser Region führen.Diese 2,4 Mrd.DM seien etwa 11 Prozent des gesamten KWU-Auftragsbestands, sagte Sprecher Wolfgang Breyer. Mit "wacher Gelassenheit" schaut die Lurgi AG, Tochter der Metallgesellschaft AG und die Nummer eins unter den deutschen Großanlagenbauern, nach Asien, auf das ungefähr ein Drittel des Auftragsbestandes (knapp 9 Mrd.DM) entfällt.Lurgi, mit größeren Aufträgen in Indonesien und Malaysia engagiert, rechnet mit Verzögerungen bei der Auftragserteilung neuer Großprojekte.Bei laufenden Vorhaben werden keine Probleme gesehen.Ob es an den Weltschiffbaumärkten als Folge der Ostasienkrise zu einem weiter verschärften ruinösen Wettbewerb, oder zu einer Konsolidierung kommt, hängt vorrangig von der künftigen Behandlung der Kredite an die koreanische Werftindustrie ab, heißt es beim Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM).Sollte die koreanische Regierung der Forderung des IWF nachkommen und den Bankensektor des Landes prioritär sanieren, dann müßte dies zu einem Abbau der Kredite an die Schiffbauindustrie und zum Druck auf die Werften führen, ihre Ertragslage über höhere Schiffbaupreise zu verbessern.Für die deutsche Bahnindustrie sind die Turbulenzen in den asiatischen Märkten bislang ohne Auswirkung geblieben.Alle laufenden Projekte, in erster Linie große Stadtbahn- und Metro-Vorhaben in Malaysia und China, werden auftragsgemäß abgewickelt, heißt es."Die Vorhaben zum Ausbau der Eisenbahninfrastruktur sind generell sehr langfristig angelegt, und bisher wurde kein Projekt gestoppt", erklärte eine Sprecherin von Siemens Verkehrstechnik.Gleichwohl blicken die Unternehmen mit wachsender Sensibilität nach Fernost.

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