Wirtschaft : Firmenpleiten: Alle 20 Minuten geht ein Betrieb bankrott

Die Zahl der Firmenpleiten ist im vergangenen Jahr leicht gesunken, die Zahlungsmoral privater und gewerblicher Schuldner bleibt schlecht. Dies sind zwei zentrale Ergebnisse der traditionellen Frühjahrsumfrage unter deutschen Inkasso-Unternehmen, die deren Bundesverband BDIU am Donnerstag in Düsseldorf vorstellte. Laut BDIU-Präsident Ulf Giebel schätzten die 453 Mitgliedsfirmen seines Verbandes die Zahlungsbereitschaft in Ostdeutschland deutlich schlechter ein als im Westen. Dies sei auch Grund für viele Unternehmenspleiten in den neuen Ländern. Zugleich nahm nach Beobachtungen der Branche das vorsätzliche Nichtbezahlen von Rechnungen zu. Als einen Grund nannte der BDIU die Debatte über die neue Insolvenzordnung und das Verbraucherkonkursverfahren. Manche privaten Schuldner hätten offenbar den Eindruck, es sei egal, ob sie ihre Rechnungen bezahlten oder nicht.

Laut Giebel sank die Zahl der klassischen Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr auf rund 25 500, dies sind etwa 900 weniger als 1999. Hinzu kamen laut BDIU allerdings weitere rund 2500 Insolvenzen bei Kleingewerbetreibenden. "Alle 20 Minuten geht ein Betrieb Pleite und etwa jede Minute verliert ein Mensch seinen Job, weil sein Arbeitgeber Pleite macht", sagte Giebel. Den volkswirtschaftlichen Gesamtschaden durch Firmenpleiten im vergangenen Jahr bezifferte der BDIU-Präsident auf etwa 55 Milliarden Mark, rund fünf Milliarden Mark weniger als im Vorjahr.

Mit Blick auf die Zahlungsmoral betonte Giebel, nur zehn Prozent der Inkasso-Unternehmen hätten in den vergangenen sechs Monaten eine "Besserung der Rechnungstreue" ausmachen können. Dabei äußerten 55 Prozent der BDIU-Mitgliedsunternehmen die Überzeugung, die Zahlungsmoral der Schuldner in Ostdeutschland sei schlechter als vor sechs Monaten. Für den Westen bestätigten dies in der Umfrage demnach nur 22 Prozent. Giebel nannte die unterschiedliche Zahlungsmoral in West und Ost "auch eine Abbildung der unterschiedlich verlaufenden Konjunktur".

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