Wirtschaft : Firmenzusammenbrüche in Japan: Schwerste Versicherungspleite nach dem Krieg

Die Serie spektakulärer Firmenzusammenbrüche in Japan hat am Freitag mit der Pleite des Versicherungsriesen Kyoei Life einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der Konzern beantragte beim Tokioter Bezirksgericht Gläubigerschutz, nachdem eine als Rettungsanker geplante Allianz mit dem US-Versicherer Prudential offenbar gescheitert war. Kyoei-Sprecher Shintaro Kitamura betonte, die Geschäftstätigkeit sei "aus eigenem Antrieb aufgegeben" worden. Der zehntgrößte japanische Lebensversicherer hatte laut Kitamura im Ende März beendeten Geschäftsjahr Verbindlichkeiten von 4,53 Billionen Yen (gut 97 Milliarden Mark). Damit steht Kyoei Life für die bisher größte Versicherungspleite in der japanischen Nachkriegsgeschichte. Erst zu Monatsbeginn war mit Chiyoda Mutual Life ein anderer Großversicherer kollabiert.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Jiji musste Kyoei Life Pläne für eine Restrukturierung aufgeben, weil seit Mai laufende Allianzgespräche mit dem US-Konzern Prudential Insurance ergebnislos blieben. Das amerikanische Unternehmen hatte im Juni bestätigt, sich möglicherweise mit bis zu 20 Prozent am Kyoei-Kapital zu beteiligen und im Gegenzug Fonds einbringen zu wollen. Kitamura wollte sich zu den Gründen des Scheiterns zunächst nicht äußern. Auch eine Prudential-Sprecherin enthielt sich auf Anfrage jedes Kommentars.

Kyoei litt wie zuvor Chiyoda Mutual Life unter ungedeckten Milliardenlasten aus der Zeit des Spekulationsbooms der 80er Jahre in Japan. Das niedrige Zinsniveau machte es dem Konzern zuletzt unmöglich, die verwalteten Vermögen Gewinn bringend arbeiten zu lassen und den hohen Versprechungen nachzukommen, die den Kunden in besseren Tagen gegeben worden waren. Kyoei Life will sich nun unter Aufsicht des Bezirksgerichts einer radikalen Restrukturierung unterziehen, um aus der Insolvenz heraus einen Neuanfang zu schaffen. Die Inhaber von Kyoei-Policen werden weitgehend von einem industriellen Sicherungsnetz aufgefangen. Analysten in Tokio wie der ING-Barings-Experte Dean Perry gingen davon aus, dass den beiden großen Versicherungspleiten weitere "zwei bis drei Zusammenbrüche in der mittleren Ebene" folgen werden.

Mehr Steuersünder in Japan

Unterdessen teilte die nationale Steuerbehörde in Tokio mit, dass Steuersünder dem japanischen Fiskus Einkommen in Rekordhöhe vorenthalten haben. Danach belief sich das unversteuerte Einkommen von Einzelpersonen zuletzt auf die Rekordsumme von umgerechnet 29 Milliarden Mark. Vor allem Einnahmen aus aufgelösten Versicherungspolicen sowie im Ausland verdiente Gelder seien an der Steuer vorbeigeführt worden. Die Behörde hatte Nachprüfungen bei rund 750 000 Personen angestellt, deren Steuerbescheide für 1998 fraglich erschienen. Bei 81,9 Prozent der Fälle sei unversteuertes Einkommen festgestellt worden. Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) hatte Japan aufgefordert, angesichts seiner maroden Staatsfinanzen für eine Erhöhung der Steuereinnahmen zu sorgen.

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