Fischerei : Kabeljau im Netz

Nachdem sich die Bestände gerade erholt haben, dürfen deutsche Fischer wieder mehr von den beliebten Speisefischen fangen.

Miriam Braun
Kabeljau
Der Kabeljau, auch Dorsch genannt, ist in einigen Gebieten immer noch vom Aussterben bedroht. -Foto: dpa

Berlin - Ungeachtet der Bedenken von Umweltschützern dürfen deutsche Fischer im kommenden Jahr mehr Kabeljau fangen als im Vorjahr. Das besagen die Fischquoten für die Nordsee und den nordöstlichen Atlantik für 2009, auf die sich die EU-Fischereiminister am Freitag in Brüssel geeinigt haben. Die EU verpflichtete sich erstmals auch, Rückwürfe wertvoller Speisefische auf See, sogenannten Beifang, zu begrenzen.

Nach Angaben aus Brüssel dürfen deutsche Fischer im kommenden Jahr 30 Prozent mehr Kabeljau fangen. Nur in bestimmten Gewässern, unter anderem westlich von Schottland, legten die Minister eine Schonung der bedrohten Bestände fest. Nach jahrzehntelanger Überfischung sind die Kabeljaubestände in einigen Gebieten vom Aussterben bedroht.

Nicht nur Umweltschützer übten Kritik an den festgelegten Quoten. „Eine vorsichtigere Quote wäre für eine Stabilisierung der Bestände sinnvoller gewesen“, sagte Gerd Kraus, der Leiter des Instituts für Seefischerei in Hamburg, dem Tagesspiegel, auch wenn sich die Bestände zuletzt wieder etwas erholt hätten. „Im kommenden Jahr dürfen nun rund 24 000 Tonnen Kabeljau in der Nordsee abgefischt werden“, sagte Kraus. Den aktuellen Elterntierbestand schätzt das Institut auf etwa 50 000 Tonnen.

Auch Umweltschützer wie die Organisation Greenpeace schlagen Alarm: Eine ähnliche Situation habe es Mitte der achtziger Jahre vor den Ostküsten von Amerika und Kanada gegeben, meint Bettina Walter, Meeresbiologin bei Greenpeace. Trotz Warnungen seien dort wegen Überfischung sämtliche Kabeljaubestände zusammengebrochen.

Die Fischfangquoten werden von der europäischen Kommission in jedem Jahr neu vorgeschlagen. Sie berücksichtigt dabei auch die neuesten wissenschaftlichen Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES). Dass die Fischereiminister trotzdem oft höhere Quoten beschließen, als die Wissenschaftler raten, führt Fischerei experte Kraus auf den Einfluss der Industrie zurück. Obwohl diese ebenfalls an langfristig sicheren Beständen interessiert sein müsste, stünden immer ökonomische Fragestellungen dagegen, meint Kraus, der auch dem ICES angehört.

Neben dem Kabeljau, der im Volksmund auch Dorsch genannt wird, darf die deutsche Flotte 2009 auch mehr als ein Drittel mehr Makrelen fangen, etwa zehn Prozent mehr Schollen und etwa acht Prozent mehr Seezungen. Gekürzt wurden die Quoten dagegen für den Hering, den Blauen Wittling und den Seelachs. Die Quoten für die Ostsee, unter anderem für den Kabeljau, hatten die Minister bereits im Oktober festgelegt.

Zudem verpflichtet sich die EU erstmals, gegen die sogenannten Beifänge vorzugehen. Umweltschützer üben scharfe Kritik an der Praxis, wertvolle Speisefische wieder über Bord zu werfen. Beim Kabeljau kommt derzeit auf jeden verwerteten Fisch einer, der weggeworfen wird. Wenn Fischer für einen bestimmten Fisch keine Fangerlaubnis haben, dürfen sie diese auch nicht an Land bringen. Sie werfen sie daher wieder über Bord. „Das ist skurril geregelt“, sagte Kraus. Die EU-Staaten wollen nun unter anderem verbesserte Netze mit sogenannten Fluchtfenstern für bestimmte Arten einsetzen. Auch akustische Warnsysteme werden geprüft. Ein entsprechender Pilotversuch läuft bereits in Cuxhaven.

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