FISCHERS WELT : Der Ratgeber

Eben noch ging es um Ferkelproduktion und Milchpreise – dann steigt der frühere Außenminister auf die Bühne im Berliner Hotel Estrel. Joschka Fischer, vor kurzem noch Professor in Amerika, zu Gast beim Jahrestreffen des Genossenschaftsverbandes Norddeutschland. 300 Männer in Anzügen wollen ihn reden hören. Sein Thema: „Die Chance der Globalisierung für Deutschland in Europa“. Fischer legt los. Er müsse mal Klartext reden, sagt er. In der Welt sehe es für Deutschland nicht so rosig aus, wie hier alle glauben wollten. „Im nächsten Jahr werden wir unsere Position als Exportweltmeister verlieren. An wen? An China.“ Dass er vor lauter Unternehmern spricht, die sich in der Welt der Wirtschaft auskennen, scheint ihm nicht so bewusst zu sein. Nach seinem Jahr in den USA wisse er: Wenn woanders über die Welt von morgen gesprochen werde, komme Europa nicht vor. Die Supermächte der Zukunft seien Indien, China und die USA. Es wirkt ein bisschen so, als sei er nach Deutschland zurückgekommen, um Europa vor der weltpolitischen Bedeutungslosigkeit zu bewahren. So wahr Fischers Warnungen sein mögen, eigentlich sollte er den Mittelständlern ja die Chancen der Globalisierung erklären. Dazu kam er in seinem 60-minütigen Vortrag nicht wirklich. Auch das Thema Genossenschaften schneidet Fischer erst nach 45 Minuten an. In ihnen liege die Zukunft, sagt er. Weil sie nachhaltig seien und sich mehr um den Klimaschutz kümmerten als die großen Konzerne. Fischer selbst arbeitet zurzeit vor allem an seiner eigenen Vermarktung: als Berater bei seiner Firma „Joschka Fischer Consulting“, Bestseller-Autobiograf, Redner und Zeitungskolumnist.liw

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