Wirtschaft : Fit werden für die internationale Arbeitswelt

In der Ausbildung spielen Auslandsaufenthalte eine immer größere Rolle – doch wie organisiert man das?

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Hören und verstehen. Auslandsaufenthalte, die der beruflichen Aus- und Weiterbildung dienen, können durch das europäische Programm Leonardo da Vinci gefördert werden. Viele Wege führen nach Rom – oder wie hier – nach Hanoi. Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Hören und verstehen. Auslandsaufenthalte, die der beruflichen Aus- und Weiterbildung dienen, können durch das europäische Programm...Foto: Thomas Koehler/photothek.net

Berlin wird immer internationaler. Auf den Straßen hört man Englisch, Türkisch und Russisch, aber auch immer mehr Spanisch, Dänisch oder Italienisch. Und so wird auch der Arbeitsmarkt internationaler und über Ländergrenzen hinweg vernetzter. Dass man sich schon während der Ausbildung auf diese künftigen Arbeitsmarktanforderungen vorbereiten kann, ist allerdings weniger bekannt.

So können Auszubildende seit der Verabschiedung des neuen Berufsbildungsgesetzes 2005 bis zu einem Viertel ihrer regulären Ausbildungszeit im Ausland absolvieren. Vorausgesetzt natürlich, der Auslandsaufenthalt dient dem Ausbildungsziel. Mit anderen Worten, die im Ausland vermittelten Ausbildungsinhalte müssen im Wesentlichen den hiesigen entsprechen oder es werden zusätzliche, etwa sprachliche, Kompetenzen erworben. Dann gilt der Auslandsaufenthalt als Teil der Ausbildung und wird sogar vom europäischen Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert.

Aber wie findet man einen Praktikumsplatz in Rom, Lissabon oder Prag? Hilfe bieten die Mobilitätsberater der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK). „Wir sind die ersten Ansprechpartner für Auszubildende und Unternehmen“, sagt Susanne Boy, Mobilitätsberaterin bei der HWK Berlin. „Im Beratungsgespräch filtern wir heraus, welche Interessen die Azubis haben, welche Sprachen sie eventuell sprechen oder welches Land aufgrund ihrer Ausbildung interessant sein könnte und suchen dann gemeinsam ein passendes Programm. Manche nehmen dann an Gruppenentsendungen teil, aber viele gehen auch alleine. Dabei werden ihre Reise- und Aufenthaltskosten im Rahmen des Leonardo-Programms gefördert.“ So habe sie etwa kürzlich eine künftige Konditorin für ein dreiwöchiges Praktikum nach Paris schicken können.

„Drei oder vier Wochen – das klingt kurz“, sagt Boy. „Aber für die zum Teil noch sehr jungen Auszubildenden im Handwerk bedeutet das eine tolle Erfahrung. Sie lernen, sich in einer fremden Sprache und Kultur zurecht zu finden und wachsen dabei persönlich sehr. Das merken auch ihre Ausbildungsbetriebe hier und profitieren davon.“

Aber auch junge Fachkräfte, also Gesellen und Gesellinnen, können über ein Leonardo-Programm ins Ausland gehen und sich weiterqualifizieren, wie etwa die junge Steinmetzin, die sich für ein zehnwöchiges Praktikum bei einer Bildhauerin in Irland entschieden hat. „Ein Auslandsaufenthalt lohnt sich immer“, so Boy. „Nicht nur in den künstlerischen oder kreativen Berufen wie Bäcker oder Fotograf, sondern auch in den innovativen Berufen im KFZ-Handwerk, im Bereich Klima, Sanitär und erneuerbare Energien.“ Allerdings sehen noch nicht alle Betriebe den interkulturellen Mehrwert eines Auslandsaufenthalts oder sind als Kleinbetriebe auf ihre Azubis angewiesen. Daher seien Austauschprogramme so wertvoll, meint Boy „Im Mai hatten wir 14 junge Fleischer aus Paris hier. Das war für alle Seiten sehr spannend und durchweg positiv.“ Größere Unternehmen hingegen sehen oft den Vorteil im Auslandsaufenthalt für ihre Auszubildenden. „Manche haben Zulieferer, Geschäftspartner oder Niederlassungen im Ausland und bieten ihren Azubis dort im der Regel nach der Zwischenprüfung ein sechs- bis achtwöchiges Praktikum“, erläutert Sabine de Günther von der IHK-Berlin. So schicken etwa die Firma Strato und die Freie Universität seit einigen Jahren ihre Azubis regelmäßig ins Ausland, aber auch wer eine Ausbildung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) macht, geht für einige Woche ins Brüsseler Büro.

In den klassischen Wanderberufen – im Hotel- und Gastronomiebereich – gehören Zeiten im Ausland mittlerweile zum Standard, ebenso im IT-Bereich, wo der englischsprachige Raum sehr gefragt ist, aber auch in vielen kaufmännischen Berufen. „Meist kommt der Impuls für einen Auslandsaufenthalt von den Azubis selbst“, so de Günther. „Aber manche Unternehmen nutzen sie auch als Motivationsschub für ihre Auszubildenden. Das ist sehr individuell.“

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