Wirtschaft : Fitness im Pulstakt

Heimtrainer sind längst mehr als ein Fahrrad in den eigenen vier Wänden – was Sie für Ihre Muskelstärke und Herzfrequenz brauchen

Maren Peters

Für den amerikanischen Präsidenten musste es das Beste sein: Als George W. Bush bei seinem Berlin-Besuch neben den Beziehungen zum Bundeskanzler auch seine Muskeln pflegen wollte, bestand er auf einen Heimtrainer des US-Herstellers Life-Fitness. Das Hotel Adlon musste sich für den hohen Besuch schleunigst ein Gerät ausleihen.

Nicht nur George W. Bush will sich drinnen fit halten: Die Nachfrage nach Fitnessgeräten für den Hausgebrauch ist vor allem im Winter groß. „Bei Glatteis kann man eben nicht draußen laufen“, sagt Michael Kappe, Fachverkäufer bei Intersport. Doch das ausgeprägte Qualitätsbewusstsein des US-Präsidenten leisten sich nur wenige, die in den eigenen vier Wänden ihren Weihnachtsspeck abtrainieren wollen. Das liegt vor allem am Preis: Life-Fitness ist einer der teuersten Anbieter auf dem Heimtrainer-Markt. Ein Ergometer der Amerikaner – eine Art Zimmerfahrrad mit automatischer Leistungsmessung – kostet bis zu 4500 Euro. „Es geht aber auch noch viel teurer“, sagt Fitness-Experte Sebastian Klatt von Sport-Tiedje. Die billigsten Geräte (zum Beispiel Otto/L.A. Kinetics oder Quelle/Mars Ergometer) bekommt man dagegen schon für 299 Euro.

Der klassische Heimtrainer, der nicht viel mehr kann als ein Fahrrad auf Ständern, hat zunehmend ausgedient. Mit der Nachfrage nach Fitnessgeräten ist das Angebot vielfältiger geworden: Heimtrainer gibt es inzwischen für fast jeden Muskel, für Gesunde und Kranke, für Muskelprotze und Figurbetonte. Aus der Urform haben sich Geräte mit klangvollen Namen wie Spinning-Bikes, Ergometer, Crosstrainer, Ellipsentrainer oder Stepper entwickelt (siehe Lexikon). Die Auswahl wird nicht eben dadurch erleichtert, dass etwa alle zwei Jahre neue Modelle auf den Markt kommen – mit besserem Sattel, neuem Lenker und mehr Programmen.

Trainingswillige sollten vor dem Kauf überlegen, ob sie sich nur einen Golf oder die S-Klasse in ihr Wohnzimmer stellen wollen – das hängt vor allem davon ab, wofür und wie intensiv sie das Gerät nutzen wollen. Der typische Heimtrainer-Käufer ist nach den Erfahrungen eines Karstadt-Fachverkäufers „mindestens 35 Jahre alt, will sich fit halten, hat aber keine Zeit, ins Fitnessstudio zu gehen“. Eine zweite Gruppe sind Patienten, die sich nach ärztlichem Rat einen Heimtrainer zulegen. Ihnen soll die Einteilung der Geräte in die DIN-Klassen A (größte Genauigkeit), B und C die Auswahl erleichtern.

Klasse-A-Ergometer müssen die Tretleistung sehr präzise angeben. Sie sind besonders für Patienten mit Herz- und Kreislaufbeschwerden geeignet: Wenn sie die ärztlich erlaubte Maximalleistung in Watt eingeben, achtet ein Computerprogramm darauf, dass es nicht zu anstrengend wird. Die Übertragung der Pulswerte zum Computer erfolgt über einen Ohrclip. Die Stiftung Warentest ( www.test.de ) hat allerdings auch bei einigen A-Klasse-Geräten nur eine durchschnittliche Genauigkeit der Anzeigen und Einstellungen festgestellt. Vorsicht: Zu niedrige Pulsanzeigen sind gefährlich, weil sie zu Überbelastungen führen können.

Heimtrainer-Käufer sollten außerdem darauf achten, dass die Geräte gleichmäßig und rund laufen. Ruckartige Bewegungen machen – wie beim richtigen Fahrradfahren – keinen Spaß. Genauso wichtig ist, dass Lenker- und Sattelhöhe und auch deren Abstand leicht verstellbar sind.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben