Fitnessstudios : Markt zwischen Masse und Klasse

Berlin ist die Stadt der Fitnessketten. Die Auswahl ist groß, der Wettbewerb hart.

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Geräte, Kurse, Schwimmen, Sauna: Wer sich in Berlin in einem Sportklub fit halten möchte, kann zwischen unterschiedlichen Programmen und Preisen wählen.
Geräte, Kurse, Schwimmen, Sauna: Wer sich in Berlin in einem Sportklub fit halten möchte, kann zwischen unterschiedlichen...Foto: imago

Hanteln stemmen, auf dem Crosstrainer laufen, beim Spinning oder in der Aerobic-Klasse schwitzen: Immer mehr Deutsche geben Geld für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio aus. Fast 9,5 Millionen Bundesbürger sind nach Zahlen des Arbeitgeberverbands für die Fitnesswirtschaft (DSSV) mittlerweile bei einem der rund 8300 Fitnessunternehmen angemeldet – etwa 400 von ihnen gibt es in Berlin.

Der Fitnessmarkt ist heiß umkämpft

Das Geschäft mit der Gesundheit und Fitness war für Investoren jahrelang eine sichere Bank. Mitgliederzahlen und Umsätze wuchsen kontinuierlich. Mittlerweile aber ist der Markt heiß umkämpft – besonders in der Hauptstadt. Während man vor Jahrzehnten in manchem Bezirk noch vergeblich nach professionellen Anbietern für sein Fitnesstraining suchte, hat man jetzt als Kunde oder Kundin quasi an jeder Ecke die Qual der Wahl: Von der kostengünstigen Kette bis hin zum luxuriös ausgestatteten Studio mit Personal Trainer, Pool und Spa-Bereich gibt es mittlerweile Anbieter in allen Größen- und Preisklassen. „Das Angebot in der Stadt ist eigentlich gesättigt“, sagt DSSV-Hauptgeschäftsführer Refit Kamberovic. „Wer jetzt neu dazukommt, wird es schwer haben.“ Aber auch die, die schon da sind, müssen mithin kämpfen – manche sogar um ihre Existenz. So musste die Kette Hard Candy der Brüder Ralf und Jürgen Jopp vor Kurzem mehrere ihrer Studios in der Stadt schließen, weil der Versorger Vattenfall wegen unbezahlter Rechnungen keinen Strom mehr lieferte. Erst stellten sechs Gläubiger Insolvenzanträge, nun auch die Eigentümer selbst.

Die Kette McFit ist auf Expansionskurs

Auf Expansionskurs ist dagegen McFit. Die Fitnesskette aus dem fränkischen Schlüsselfeld wurde 1997 gegründet, zählt mehr als eine Million Mitglieder in ganz Europa und bezeichnet sich als „Europas Nummer 1“ auf dem Fitnessmarkt. Das Geschäftsmodell: Kunden können in den Studios rund um die Uhr in weitgehender Eigenregie an Geräten oder mit Gewichten trainieren. Personal ist in den Studios rar. Die Mitgliedschaft bei McFit ist dafür vergleichsweise günstig: Bei einer Laufzeit von zwölf Monaten zahlen Mitglieder 19,90 Euro pro Monat. „Der Berliner Markt ist äußerst wichtig für unser Unternehmen“, sagt Unternehmenssprecher Pierre Geisensetter. In der Hauptstadt entwickelt die Firma neue Produkte wie das Programm „Cyberobics“, das Training in virtuellen Umgebungen möglich macht. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen „das nächste große Projekt“ für die Hauptstadt vorstellen; was es sein wird und wie viel Geld es kosten wird, verrät die Firma noch nicht. In Berlin sind Ketten wie McFit im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich oft vertreten. Das Unternehmen betreibt derzeit 21 Fitnessstudios in der Hauptstadt – so viele wie keine andere Firma. „Fitnessketten konzentrieren sich immer in den Großstädten, weil es dort viele Einwohner gibt“, sagt DSSV-Mann Kamberovic. Allerdings sei die Fitnessstudiodichte in der Stadt nicht allein auf wirtschaftliche Aspekte, sondern auch auf historische Gründe zurückzuführen, sagt er: In Berlin und Hamburg gebe es eine langjährige Tradition für Sportstudios, die vor allem aus dem Boxsport komme und bis in die 1960er und 1970er Jahre zurückreiche.

Auf der Homepage von Holmesplace sucht man Preise vergeblich

Noch nicht ganz so lange gibt es Holmes Place. Preisangaben sucht man auf der Homepage des Unternehmens vergeblich – wie viel das Fitnesstraining in den Studios kostet, erfahren potenzielle Kunden nur auf Anfrage. „Erleben Sie Fitness mit Klasse!“, wirbt der Anbieter im Netz. Eine Glastür mit der Aufschrift „Healthclub und Spa“ weist dezent den Weg zum Holmes-Place-Studio am Potsdamer Platz. Ein gediegenes Ambiente in Schwarz-Grau-Weiß mit Echtholzböden und vielen Glasflächen unterstreicht die Exklusivität, die das Unternehmen seinen Kunden bieten will. Neben diversen Trainingsräumen für Kraft und Ausdauer im Obergeschoss findet sich auf der unteren Etage auch ein kleines Schwimmbad nebst Sauna und Spa-Bereich für Massagen oder kosmetische Anwendungen. Dieser Service hat allerdings seinen Preis: Ab 99 Euro aufwärts kostet eine Mitgliedschaft pro Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, die Aufnahmegebühr mindestens noch einmal so viel. Dafür ist man im Studio am Potsdamer Platz auch bereit, für wechselwillige Kunden bis zum endgültigen Auslaufen des Vertrags bei der Konkurrenz auch die restlichen anfallenden Monatsbeiträge zu übernehmen.

Im mittleren Preissegment kann mit oder ohne Trainer trainieren

Zwischen niedrig- und hochpreisigen Wettbewerbern tummeln sich Anbieter wie Fitness First. Die deutsche Tochter des gleichnamigen britischen Unternehmens bietet ihren Kunden neben Kraft- und Ausdauertraining an Geräten auch Kurse wie Yoga, Spinning oder Aerobic sowie Sport mit Personal Trainern oder in der Gruppe an. Alle 16 Studios in der Stadt sind mit einer Sauna und einem Wellnessbereich ausgestattet und finden sich an zentralen, mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbaren Stellen in der Stadt. In einigen Studios wird allerdings gerade nur eingeschränkt Sport getrieben: Das Unternehmen erneuert beispielsweise in den Räumen im Einkaufszentrum Schönhauser Allee Arcaden derzeit die Umkleiden und tauscht diverse Trainingsflächen aus. Rund zwei Monate sollen die Umbauarbeiten dauern; wer sich davon gestört fühlt, kann kostenlos in eines der zum Teil höherpreisigen Fitness-First-Studios in der Stadt ausweichen. „Wenn so viele Wettbewerber am Markt sind, können die Unternehmen nur mit Qualität und Angebot punkten“, sagt DSSV-Hauptgeschäftsführer Kamberovic.

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