Wirtschaft : Fitschen spricht für alle

Co-Vorstandschef der Deutschen Bank wird Präsident des Branchenverbandes.

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Jürgen Fitschen. Der Deutsche-Bank-Chef ist gegen ein Trennbankensystem. Foto: dpa
Jürgen Fitschen. Der Deutsche-Bank-Chef ist gegen ein Trennbankensystem. Foto: dpaFoto: dpa

Frankfurt am Main - Nach Rolf Breuer wird im April kommenden Jahres zum zweiten Mal ein Chef der Deutschen Bank Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB). 2013 rückt Co-Vorstandssprecher Jürgen Fitschen für drei Jahre als Nachfolger von Andreas Schmitz an die Spitze des einflussreichen Verbandes. Der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hatte den BdB Anfang des Jahrtausends geführt. In der Regel kommt der Bankenpräsident abwechselnd von einer Großbank und einer Privatbank.

Mit dem Amtsantritt von Fitschen dürfte sich der Widerstand der Geldinstitute gegen Vorschläge zur Aufspaltung von Großbanken in klassische Geschäftsbanken und Investmentbanken verstärken. Zwar lehnt der BdB auch unter Schmitz, Vorstandschef der kleineren HSBC Trinkaus&Burkhardt, diese Ideen strikt ab. Allerdings wäre vor allem die Deutsche Bank von einem Trennbankensystem massiv getroffen.

Fitschen wurde am Montag vom Vorstand des BdB erwartungsgemäß einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Er übernimmt das Amt am 15. April 2013. Noch BdB-Präsident Schmitz bekräftigte am Montag seine Ablehnung eines Trennbankensystems in Deutschland: „Dieser Idee erteilen wir eine klare Absage. Sie bringt weder ein höheres Maß an Finanzstabilität noch kann und wird sie den Steuerzahler schützen“, sagte er. Die Struktur einer Bank sei für die Finanzstabilität nicht entscheidend. In der Vergangenheit, so Schmitz, seien Gefahren sowohl von Banken mit einem breit aufgestellten Geschäftsmodell als auch von Spezial- und reinen Investmentbanken ausgegangen. Dem BdB zufolge drohen bei einer Aufspaltung großer Institute Wettbewerbsverzerrungen und noch höhere Kosten, die letztlich auf den Bankenkunden abgewälzt würden. Gerade in Deutschland, so Schmitz, habe sich das Universalbankensystem bewährt.

Im Blick auf eine größere Finanzstabilität sind nach Ansicht des BdB ein verbessertes Krisenmanagement, eine bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte europäische Bankenaufsicht und höhere Eigenkapitalanforderungen, wie sie in den Regeln von „Basel III“ eigentlich ab 2013 geplant sind, viel wichtiger. Allerdings machen die verschärften Kapitalanforderungen nach den Worten von Schmitz nur Sinn, wenn sie gleichzeitig weltweit eingeführt werden. Sonst drohten Wettbewerbsverzerrungen.

An diesem Prozedere allerdings gibt es erhebliche Zweifel. Die USA haben gerade das in intensiven und schwierigen Verhandlungen ausgearbeitete Regelwerk zur Empörung der Europäer in- frage gestellt. Eine Einführung von Basel III in den USA ist deshalb wieder völlig offen. Der BdB fordert deshalb, die Einführung von Basel III in Europa um ein Jahr auf 2014 zu verschieben. In jedem Fall müssen sich Schmitz zufolge Ableger von US-Instituten in Europa diesen Regeln unterordnen. Rolf Obertreis

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