Wirtschaft : Flach boomt

Auf der Funkausstellung hoffen die Aussteller auf Aufträge im Wert von 2,5 Milliarden Euro. LCD- und Plasma-TV sind gefragt

Corinna Visser

Berlin - Die Messe Berlin erwartet erneut Rekordumsätze auf der am Freitag beginnenden Internationalen Funkausstellung (Ifa). Im vergangenen Jahr hatten die Aussteller auf der Ifa Aufträge im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro in ihre Bücher genommen. „Wir hoffen natürlich, dass wir das in diesem Jahr noch übersteigen werden“, sagte der Geschäftsführer der Messe Berlin, Christian Göke, am Mittwoch bei der Eröffnungspressekonferenz. Die Ifa öffnet am Freitag ihre Türen für die Besucher. Die Messe hoffe auch bei der Besucherzahl den Vorjahreswert von rund 245 000 zu erreichen, sagte Göke. Das Fachpublikum und die privaten Besucher können sich auf rund 93 000 Quadratmetern bei 1049 Ausstellern über die neuesten Produkte und Trends in der Unterhaltungselektronik informieren.

Damit ist die Zahl der Aussteller im Vergleich zum Vorjahr (da waren es 1202) leicht gesunken. Doch die Veranstalter – die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) und die Messe Berlin – sind dennoch zufrieden. Früher fand die Funkausstellung nur alle zwei Jahre statt. Erst Ende vergangenen Jahres entschlossen sich die Veranstalter, sie von 2006 an jährlich zu veranstalten. „Eine so innovative Branche wie die Consumer Electronics mit rund 10 000 Neuheiten pro Jahr braucht eine jährliche Messe als Schaufenster“, sagte gfu-Aufsichtsratschef Rainer Hecker, der zugleich Vorstandschef des Fernsehherstellers Loewe ist. Unter Consumer Eelctronics (CE) versteht die Branche die klassische Unterhaltungselektronik (wie etwa Fernseher und Hifi-Anlagen) sowie die privat genutzten Produkte aus der Telekommunikation und der Informationstechnik (Handy und PC).

Während Fernseher – nicht zuletzt wegen der Fußball-Weltmeisterschaft – boomen, läuft es in den beiden anderen Bereichen schlechter. Im ersten Halbjahr 2006 schrumpfte der gesamte CE-Markt daher sogar um 1,5 Prozent. Der Umsatz mit Fernsehern wuchs in der Zeit dagegen um 30 Prozent. Der Grund ist die hohe Nachfrage nach den neuen TV-Geräten mit flachem LCD- oder Plasma- Bildschirm. Für das Gesamtjahr rechne die Branche mit einem Umsatzwachstum im Consumer-Electronics-Markt von knapp vier Prozent auf mehr als 22 Milliarden Euro, sagte Ifa-Vorsitzender und Philips-Deutschlandchef Hans-Joachim Kamp. „Den größten Anteil dazu steuert erneut die klassische Unterhaltungselektronik mit mehr als zehn Prozent Wachstum und etwa 13,5 Milliarden Euro bei.“ Die Branche erwartet, in diesem Jahr mehr als 2,5 Millionen LCD-Fernseher und mehr als 500 000 Plasma-TV-Geräte – also insgesamt drei Millionen flache Fernseher – zu verkaufen, aber nur noch 2,7 Millionen herkömmliche Röhrengeräte. Und sie sieht großes Potenzial: die noch rund 45 Millionen Röhren-Fernseher in den deutschen Haushalten, die gegen flache TV-Geräte ausgetauscht werden können. Statistisch gesehen besitzt jeder deutsche Haushalt bereits 1,4 Fernseher.

Allein im ersten Halbjahr wurden 3,4 Millionen TV-Geräte im Wert von 1,1 Milliarden Euro nach Deutschland importiert, teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit seien die Einfuhren um 18,6 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005 gestiegen, der Wert der Importe stieg sogar um gut 56 Prozent. Die meisten Geräte wurden in der Türkei hergestellt, gefolgt von Polen und China. Neben flachen Fernsehern stehen im Mittelpunkt der Ifa das hochauflösende Fernsehen HDTV sowie der Kampf der DVD-Nachfolgeformate Blu-ray und HD-DVD. Das Internetfernsehen, Handy-TV und die neuesten MP3-Player sind weitere Topthemen. Dass in so kurzer Zeit mehr als 1000 Aussteller für die Ifa gewonnen werden konnten, wertet die Messe als Erfolg. „Das Risiko hat sich gelohnt“, sagte Göke. Für die Messe Berlin gehört die Ifa zu den wichtigsten Veranstaltungen. Sie setze mit der Ifa „einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag“ um, sagte Göke.

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