Wirtschaft : Flächenstreik am Bau kaum machbar

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Frankfurt (Main) (AFP). Schon die Urabstimmung, bei der sich 98,63 Prozent der befragten Gewerkschaftsmitglieder für einen Streik aussprachen, war für die IG Bau eine organisatorische Sisyphusarbeit. Dass nur ein Drittel der zur Urabstimmung aufgerufenen Bauarbeiter ihr Votum abgaben, liege daran, dass die Gewerkschaft gezielt die Baustellen abgeklappert habe, die sie auch in den Streik einbeziehen wolle, gab IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel zu. Damit zeichnen sich auch Organisationsprobleme für den Streik selbst ab. Größeren Schaden für die Industrie erwarten Experten ohnehin erst bei einem lang anhaltenden und intensiven Arbeitskampf.

Die IG Bau könne sich nicht wie etwa die IG Metall einen Betrieb aussuchen und durch einen Streik dort zugleich auch andere Unternehmen lahm legen, beschreibt Gustav Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) das Dilemma der Gewerkschaft. Die Vernetzung der Branche sei erheblich geringer. Der Bauexperte des Münchner Ifo-Instituts, Volker Rußig, erinnert daran, dass zudem die Beschäftigten eines Unternehmens auf verschiedene Baustellen verteilt sind. Das macht die Organisation von Streiks schwierig.

Im Klartext bedeutet das: Der angedrohte flächendeckende Streik dürfte kaum machbar sein. Stattdessen wird die Gewerkschaft wohl auf einzelnen Baustellen den Betrieb stoppen. Horn geht davon aus, dass diese dafür einen „hohen Symbolwert“ haben werden wie etwa die am Lehrter Bahnhof in Berlin.

Auch der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel räumte bereits ein, dass es bei den Streiks durchaus Probleme durch die große Fläche und die unterschiedliche Betroffenheit in den einzelnen Unternehmen gebe. Dennoch bemühte sich der Gewerkschaftsvorsitzende, den Eindruck mangelnder Effektivität der Arbeitsniederlegungen zu zerstreuen: „Wir suchen uns wichtige Baustellen mit hohem Termindruck aus.

„Das tut den Arbeitgebern besonders weh“, drohte der Gewerkschaftschef. Beginnen sollen die Streiks am heutigen Montag zunächst in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

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