Wirtschaft : Flaute in der Windkraft – Nordex knickt ein

Banken ziehen sich aus der Finanzierung zurück/Windradhersteller in Not

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Berlin (fo). Einer der größten deutschen Erbauer von Windkraftanlagen, die Hamburger Nordex AG, ist in schwere Turbulenzen geraten. Erst vor wenigen Tagen war der neue Vorstandschef Stefan Klebert nach nur einem Monat zurückgetreten. Am Freitag gab Nordex bekannt, dass in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 48,9 Millionen Euro Verlust angefallen sind. Das Auftragsvolumen sei in diesem Jahr um 60 Prozent eingebrochen, berichtete der fünftgrößte Hersteller von Windrädern in Deutschland. Die NordexAktie ist nur noch wenige Cent wert.

Nordex steht exemplarisch für die Probleme der Hersteller von Windenergieanlagen – auch wenn es zusätzlich einige hausgemachte Probleme in Hamburg gibt. Die junge Branche erlebt ihre erste Krise. In diesem Jahr ist das Auftragsvolumen schon um ein Viertel geschrumpft. Die Windkraftanlagenbauer leiden unter Überkapazitäten.

Durch die massive staatliche Förderung von Windenergieanlagen seit Antritt der rot-grünen Bundesregierung Ende der 90er Jahre boomte zunächst das Geschäft der mittelständischen Maschinenbaubetriebe. Neue Anbieter drängten auf den Markt, Produktionskapazitäten wurden aufgebaut. Die gesamte Branche einschließlich der Betreiber von Windparks soll Schätzungen zufolge inzwischen mehr als 100 000 Menschen beschäftigen.

Gefördert wird der Bau von Windrädern über eine Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf den Strompreis. In diesem Jahr beträgt das gesamte Fördervolumen knapp zwei Milliarden. Betreiber von Windparks bekommen pro gelieferte Kilowattstunde einen Ausgleich, weil die Produktion von Strom aus Windkraft zurzeit noch teurer ist als beispielsweise in Kohlekraftwerken. Bis zum Jahr 2012, so das Ziel der Regierung, soll Windkraft von jetzt etwa drei Prozent auf mehr als zehn Prozent der Stromproduktion in Deutschland ausgebaut werden. Um die weitere Förderung der Windkraft war in den letzten Wochen zwischen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ein heftiger Streit entbrannt.

Mitte des Jahres waren 14283 Windräder in Deutschland installiert. Allein im vergangenen Jahr kamen 3250 Megawatt Leistung hinzu. Das entsprach einem Auftragsvolumen von 3,5 Milliarden Euro, berichtet der Branchenverband VDMA. Die Prognosen sind bescheidener. Maximal 2700 Megawatt Zubau erwartet VDMA-Experte Johannes Schiel in diesem Jahr. Bis 2005, so seine Prognose, bricht das Marktvolumen auf 2000 Megawatt Neubaukapazität ein.

Die Krise hat nach Schiels Einschätzung zwei wesentliche Gründe: Der Ersatzbedarf für Windräder komme erst 2006 in Schwung, und Offshore-Anlagen auf hoher See seien noch im Planungsstadium. „Ab 2010 geht’s da richtig los“, prognostiziert Schiel. Hinzu komme, dass sich die Banken inzwischen bei der Finanzierung zurückhielten. Geldgeber würden durch die Debatte um die weitere Förderung verunsichert. Auslöser seien aber auch die neuen Eigenkapitalregeln der Banken bei der Kreditvergabe. Danach legen die Institute künftig höhere Maßstäbe an. Das sagt auch Nordex selbst: „Insbesondere die Finanzierung von Windparkprojekten hat sich durch lange Bearbeitungszeiten bei Kreditinstituten deutlich verzögert“, heißt es zur Begründung des Auftragseinbruchs.

Einer der großen Geldgeber im Windkraftgeschäft war bislang die Commerzbank, die nach Brancheninformationen etwa 40 Prozent aller Projekte finanzierte. Die Bank habe ihr Engagement deutlich zurückgefahren.

Mit Nordex trifft die Branchenkrise einen der „solidesten Pioniere“, heißt es. Nach der Gewinnwarnung fiel die Nordex-Aktie um fünf Prozent auf 94 Cent. 2002 hatte das Unternehmen noch 18 Millionen Euro Gewinn bei 445 Millionen Euro Gesamtleistung gemacht. Vorstandschef Klebert war nach Brancheninformationen wieder ausgestiegen, weil er einen möglichen Verkauf des Unternehmens an den US-Konzern Caterpillar nicht mittragen wollte. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) hält 30 Prozent der Aktien. Sie hatte Nordex vor zwei Jahren aus dem Besitz der inzwischen insolventen Babcock-Borsig AG an die Börse gebracht.

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