Wirtschaft : Fleischerfachbetrieb Michael Platten

NAME

Idee: Michael Platten verkauft auf seinem mobilen Verkaufsstand auf Berliner Märkten Wild- und Truthahnspezialitäten aus Meisterhand. Donnerstags nachmittags bietet er seine Waren vor dem Rathaus Friedenau feil (siehe Foto). Seine Hauptmotivation: „Dit is ne Freude, wenn die Kunden wiederkommen und sagen, es hat jut jeschmeckt.“

Gründer: Für Michael Platten, 40, war der eigene Marktstand der Weg aus der Arbeitslosigkeit. Zu seinem Glück hatte er mit Ende 30 seinen Meister gemacht – die Grundlage für seine eigene Werkstatt in Heiligensee. Der Innung zufolge ist er der letzte Meister, der in Berlin einen Fleischereibetrieb eröffnet hat. Das war im September vergangenen Jahres.

Finanzierung: Eine Fleischerei kostet viel Geld. Selbst wer einen bestehenden Betrieb übernimmt, muss mit Investitionen von mindestens 100 000 Euro rechnen. Es können aber auch leicht 250 000 werden, da die Ausstattung vieler traditioneller Betriebe veraltet ist und bei Übernahme komplett modernisiert werden muss. Da Platten soviel Geld nicht hatte, blieb für ihn nur eine kleine Werkstatt plus Marktstand, die rund 27 000 Euro kosteten. Einen Teil der Finanzierung übernahm die Deutsche Ausgleichsbank, die ein Gründungsdarlehen gewährte.

Aussichten: Anfang der Neunziger hatte die Berliner Fleischerinnung noch über 300 Meisterbetriebe als Mitglieder. Heute sind es nur noch 72, Tendenz weiter fallend. Immer weniger Kunden wissen die Qualitätsware aus dem Fachbetrieb zu schätzen, klagt die Branche. Negative Schlagzeilen verschlimmern die Lage: „Der Nitrofen-Skandal im Frühjahr hat mir fast die Beene wegjehauen“, sagt Fleischermeister Platten. Bei sommerlichen Temperaturen verkauft sich Wurst auch nicht besonders gut. Die Schlussfolgerung für Meister Platten: „Ick mache weiter so lange es jeht. Dit kann ja nur besser werden.“avi

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben