Fleischprodukte und Süßigkeiten : Deutsche Lebensmittel sind im Ausland gefragt wie nie

Deutschland macht Appetit: Nie waren deutsche Lebensmittel im Ausland beliebter. Ein Glück für die Produzenten – denn der heimische Markt ist gesättigt.

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In vielen Ländern genießt man Gummibären aus Deutschland.
In vielen Ländern genießt man Gummibären aus Deutschland.Foto: J. Büttner/ dpa

Lebensmittel aus Deutschland sind im Ausland begehrt: Vor allem dank einer hohen Nachfrage nach Fleischprodukten und Süßigkeiten „made in Germany“ hat die deutsche Lebensmittelindustrie im vergangenen Jahr ein Rekord-Exportergebnis eingefahren. Insgesamt wurden 56,7 Milliarden Euro im Ausland erwirtschaftet, teilte der Branchenverband BVE am Dienstag mit – das waren zwei Milliarden mehr als im Vorjahr und rund ein Drittel des Gesamtumsatzes von 171,3 Milliarden Euro. Fleischwaren und Süßes machten dabei etwa ein Drittel der Ausfuhren aus.

Der deutsche Markt ist voll ausgeschöpft

Auch im Binnenmarkt konnte die Branche ihr Ergebnis steigern – allerdings nur um 0,7 Prozent, inflationsbereinigt also kaum. Der Markt gilt als gesättigt. Der demografische Wandel ist ein Grund, ein anderer das veränderte Ernährungsbewusstsein. „Der Trend geht zu weniger, dafür hochwertigeren Produkten“, erklärte BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff bei der Vorstellung des Jahresberichts in Berlin. „Dagegen haben wir gar nichts. Aber es bedeutet: Chancen auf Absatzsteigerung gibt es nur im Export.“ Vor diesem Hintergrund betrachtet seine Branche den Brexit mit Sorge. „Großbritannien ist der viertwichtigste Exportmarkt für Deutschland. Es sind klare Regeln nach dem Austritt nötig – die Unternehmen brauchen vor allem Rechtssicherheit“, fordert der Verbandschef. Angst vor Freihandelsabkommen habe die Branche keineswegs: „Der deutsche Lebensmittelmarkt ist einer der härtesten der Welt. Wer hier besteht, besteht auch international.“

40 000 neue Produkte Jahr für Jahr

170 000 Produkte umfasst der deutsche Lebensmittelmarkt – jedes Jahr kommen rund 40 000 hinzu, ebenso viele verschwinden wieder. Der Preiskampf ist enorm: Im Schnitt gaben deutsche Verbraucher 2016 ein Zehntel ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel und Getränke aus, eine vierköpfige Familie etwa 500 Euro im Monat. Das waren deutlich weniger als im EU-Mittel. Für hochwertigere Produkte seien die Menschen zunehmend bereit, auch mehr zu zahlen, sagte Minhoff. Damit einher geht aber auch ein immer größeres Informationsbedürfnis: 90 Prozent der im Auftrag des Verbands befragten Unternehmen gaben an, immer häufiger direkte Anfragen von Konsumenten zu bekommen.

Grundsätzlich zeigten sich 80 Prozent der Deutschen mit der Qualität der Lebensmittel zufrieden. Im Ausland seien deutsche Lebensmittel „atemberaubend beliebt“, so Minhoff. Rund 80 Prozent der exportierten Waren blieben zuletzt in der EU – vor allem in den Niederlanden und Frankreich. Zu den wichtigsten Wachstumsmärkten zählen aber Asien und Amerika.

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