Wirtschaft : Fleißige Biene im Hintergrund

Männer steigen eher beruflich auf als gleich qualifizierte Kolleginnen. Das liegt vor allem am mangelnden Selbstmarketing der Frauen.

Klischee. Frauen werden oft mit den Honigsammlerinnen verglichen. Foto: dpa
Klischee. Frauen werden oft mit den Honigsammlerinnen verglichen. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Viele Frauen kommen gut qualifiziert in ihren ersten Job. Doch statt schnell aufzusteigen, zieht der männliche Kollege an ihnen vorbei. Wie konnte das passieren? „Oft hilft es schon, wenn Frauen ein paar typische Fehler vermeiden“, sagt Barbara Schneider, Karrierecoach aus Hamburg und Ratgeberautorin, vor dem Hintergrund der aktuellen Quotendiskussion. Am Donnerstag (18. April) lehnten Union und FDP mit ihrer Mehrheit im Bundestag die rot-grüne Initiative zur Einführung einer festen Frauenquote in Aufsichtsräten ab.

„Ich will“: Diese zwei Worte über die Lippen zu bringen und Forderungen zu stellen, fällt vielen Frauen schwer. Das liegt an der Erziehung, sagt Maren Lehky, Karriereberaterin aus Hamburg. Bei kleinen Mädchen gelte Bescheidenheit immer noch als Tugend. Das ist zwar sympathisch – im Job fahren fordernde Kollege aber besser. Statt darauf zu warten, entdeckt zu werden, sollten Frauen öfter einmal „Hier“ schreien. Nur im Märchen würden Top-Kräfte entdeckt und die Beförderung kommt von allein.

Klare Kommunikation: Könnten Sie auf Anhieb sagen, welche Stelle Sie wollen? Viele Frauen wüssten nur vage, in welcher Position sie sich sehen, sagt Lehky. Das überlässt allein dem Chef das Feld, zu entscheiden, wohin die Mitarbeiterin passt. Deshalb: Lieber herausfinden, was man eigentlich will – und dann dem Chef das Wunschziel klar kommunizieren. Prestigeprojekte an Land ziehen: Das Klischee von der fleißigen Biene im Hintergrund stimmt bei vielen Frauen leider immer noch, sagt Schneider. Viele Frauen wuppten die Fleißaufgaben im Hintergrund. Doch damit gewinnt Frau weder Aufmerksamkeit geschweige denn Bekanntheit im Unternehmen. Also lieber Projekte übernehmen, auf die der Chef ein besonders Auge hat. Stattdessen sollten die Frauen für ein gutes Selbstmarketing sorgen: Der Kollege ist eine Laberbacke und zieht das Meeting unnötig in die Länge? Klar nervt das. Doch nun zu schweigen nach dem Motto: „Die Klügere gibt nach“, ist ganz schlecht. So wird Frau vom Chef garantiert übersehen. Bei Meetings gilt es zu punkten, sagt Schneider. Also immer gut vorbereitet kommen – und im Zweifel genauso lange reden wie der Kollege. Das beeindruckt den Chef.

Und sie sollten Netzwerke knüpfen: Eine halbe Stunde zu netzwerken, bringt der Karriere manchmal mehr, als drei Stunden Fleißarbeit, sagt Schneider. Konkret bedeutet das: Statt den Lieblingskollegen zum Mittagessen zu treffen, raus aus der Komfortzone und sich mal mit einer anderen Person verabreden. Das macht Ihnen keinen Spaß? Netzwerken wird durch die Übung leichter, verspricht Schneider.

Schwächen-Beichten dagegen sollten Frauen vermeiden. Denn Gespräche unter Freundinnen gehen leider häufig so: „Du, ich bin darin auch gar nicht gut“. Frauen finden es sympathisch, wenn die Gesprächspartnerin zugibt, dass sie auch nicht alles kann. Im Job kommt man damit jedoch nicht weit, warnt Lehky.

Das könnten Frauen mit einem Kauf von Turnschuhen vergleichen: Niemand wolle ein Paar kaufen, bei dem der Verkäufer lang erklärt, was das Produkt alles nicht kann. Also: Sprechen Sie grundsätzlich nur positiv über sich selbst. Den Rest überlassen sie dem Chef.MAREN LEHKY] dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben