Wirtschaft : „Fliegen wird billiger und sicherer“ Experte Goedeking zur Zukunft des Flugverkehrs

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Die Einführung des JumboJets Boeing 747 vor 35 Jahren eröffnete eine neue Dimension des Fliegens. Erwarten Sie für den Airbus A380 eine ähnliche Wirkung?

Der A380 stellt ohne Zweifel einen Quantensprung dar. Seine Einführung wird sich weitreichend auswirken. Er ist sehr teuer und nur wenige Airlines verfügen über ausreichend Zugang zu Märkten und Finanzmitteln, um ein solches Flugzeug erfolgreich zu betreiben. Diese wenigen werden ihre Marktposition mit diesem Flugzeug deutlich stärken können. Dies gilt im Übrigen auch für Flughäfen: Diejenigen, die mit dem A380 bedient werden, werden weitaus stärker am Verkehrswachstum der nächsten Jahre teilhaben können als die übrigen.

Flugzeuge mit 550 bis 850 möglichen Plätzen – wird so das Langstrecken-Massenverkehrsmittel der Zukunft aussehen, oder bleibt der Einsatz dieser Maschinen auf wenige Routen beschränkt?

Es gibt heute nur wenige Märkte mit so viel Verkehr, dass sich der Einsatz des A380 rechnet. So werden wir von Europa aus den A380 vor allem auf langen Fernost-Strecken sehen. Er wird die B747 also keineswegs ablösen. Aber eine grundlegende Neukonstruktion erlaubt, alle neuen Erkenntnisse und Technologien zur Sicherheit und zum Umweltschutz zu berücksichtigen. Gerade bei einem so gewaltigen Flugzeug ist dies ein objektiver, aber aus Sicht des Fluggastes auch „gefühlter“ Fortschritt.

Mehr Luxus am Himmel auf der einen Seite, Billigflieger mit Einheits-Holzklasse auf der anderen. Komfort oder Preis – wie werden die Menschen in 20 Jahren fliegen?

In 20 Jahren werden sehr viel mehr Menschen noch sicherer, leiser, emissionsärmer, komfortabler und billiger fliegen als heute. Das gilt unabhängig von der Streckenlänge. Auch in 20 Jahren noch werden die Menschen einen bequemen Sitz und ein Mindestmaß an Komfort auf einer Langstrecke wichtiger finden als bei einem Inlandsflug. Mit Luxus hat das wenig zu tun. Ob allerdings weiterhin jede Fluggesellschaft alle Kundengruppen bedienen kann, bleibt zweifelhaft. In 20 Jahren werden sich Fluglinien noch klarer als heute auf bestimmte Kundengruppen fokussieren und entsprechend unterscheiden müssen.

Das Gespräch führte Rainer W. During.

Philipp Goedeking

ist Partner und Mitglied des Supervisory Boards bei Roland Berger Strategic Consultants.

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